Home » Nachricht » Neues religiöses Gremium trägt zur Islamisierung in Pakistan bei

Neues religiöses Gremium trägt zur Islamisierung in Pakistan bei

LIBERALE MUSLIME UND CHRISTLICHE AKTIVISTEN haben ihre Besorgnis über die von Premierminister Imran Khan angekündigte Einrichtung einer neuen Behörde mit dem Namen Rehmatul-lil-Alameen („Barmherzigkeit für alle Welten“ – ein Satz aus dem Koran) zum Ausdruck gebracht. Ziel dieser neuen Behörde ist es, die Umsetzung der Lehren Mohammeds in der pakistanischen Gesellschaft zu gewährleisten, insbesondere durch die Überwachung der Lehrpläne an Schulen, die Förderung der islamischen Forschung an Universitäten und die Eindämmung der Verbreitung vulgärer und blasphemischer Inhalte in den sozialen Medien.

Sabir Michael, ein dominikanischer Laie, vergleicht diesen Schritt mit dem Islamisierungsprogramm in den 1980er Jahren unter dem Militärmachthaber Zia-ul-Haq, der Popmusik, Entertainment und Tanz verbot und auch Werbung als obszön untersagte. Gegenüber dem internationalen Hilfswerk Aid to the Church Need (ACN) äußert Sabir Michael, der seit 2013 an der Universität von Karachi lehrt, die Sorge, die auch von anderen Kritikern geteilt wird, dass die RAA den Einfluss extremistischer islamischer Prediger stärken und die Rechte von Frauen und religiösen Minderheiten bedrohen wird.

“Meiner Meinung nach ist das ein politisches Manöver. Der Rat für Islamische Ideologie ist bereits mit genügend Befugnissen ausgestattet und hat vor kurzem den lang erwarteten Gesetzentwurf gegen Zwangskonvertierungen abgelehnt. Außerdem wird damit das bestehende Ministerium für religiöse Angelegenheiten dupliziert. Premierminister Imran Khan versucht nur zu zeigen, dass er angesichts der rasant steigenden Inflation umsichtig ist.  Nach Angaben des Economist ist Pakistan das Land mit der vierthöchsten Inflationsrate der Welt. Die tödlichen Proteste der radikalen islamistischen Partei Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP) erhöhen den Druck auf die Regierung zusätzlich.

Der Premierminister möchte, dass die RAA eine intellektuelle Antwort auf blasphemische Handlungen im Westen gibt. Eine perfekte Antwort wäre es, die Menschen davon abzuhalten, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen und andere ohne ein faires Verfahren zu bestrafen.

Die Parteikollegen des Premierministers werben für ein so genanntes islamisches Präsidialsystem, in dem der Oberste Führer die absolute Macht hat. Der Premierminister hält nichts von Demokratie und trifft seine Entscheidungen ohne jede Debatte im Parlament. In diesem Kontext ist es einfacher, die Menschen im Namen der Religion zu überzeugen. Er benutzt die Religion für politische Zwecke. Einen Tag nach der Erhöhung des Benzinpreises forderte Khan die Nation auf, den Jahrestag der Geburt des Propheten Mohammed in einer noch nie dagewesenen Weise zu feiern. Das war ein politischer Schachzug.

Die strukturellen Probleme des Extremismus, der Armut, der wirtschaftlichen Ungleichheiten und der wachsenden Klassenunterschiede werden nicht angegangen. Seine Maßnahmen sind künstlich und vorübergehend. Die RAA wird die Kurse zum Thema Seerat-e-Nabi (Leben des Propheten) in den Schulen überwachen, aber dieses Fach wird bereits bis zum Schulabschluss gelehrt. Seerat-Kurse wurden in den Jahren 1975-76 an allen öffentlichen Universitäten des Landes eingerichtet. Die RAA ist nur eine Wiederholung – alter Wein in neuen Schläuchen. Ebenso überwacht das Ministerium für Information und Rundfunk bereits die Medieninhalte. Die neue religiöse Körperschaft wird nur einigen Leuten Gehälter verschaffen.

Heute ist Pakistan aufgrund der Islamisierung und der mangelnden Achtung der Menschenrechte isoliert. Touristen sind von unseren Straßen verschwunden. Religiöse Minderheiten können ohne Sicherheitsvorkehrungen keine Gottesdienste abhalten. Schulen und Hotels haben sich in Festungen verwandelt. Nicht-muslimische Eltern verbieten ihren schulpflichtigen Kindern, sich an jeglicher religiöser Diskussion zu beteiligen. Selbst viele Universitätsstudenten, die vorgeben, säkular zu sein, sind im Grunde ihres Herzens TLP-Aktivisten. Nur die Durchsetzung der Scharia, des islamischen Strafrechts, kann ihnen die Augen öffnen. Die Jugend von heute ist überwiegend extremistisch. TLP-Slogans sind stolz auf den Läden an der Straße zu lesen. Die RAA wird alles noch schlimmer machen.

Mit dieser neuen Einrichtung fördert der Staat eine Religion und verleugnet andere. Diese Vorzugsbehandlung des Islam ist eine Bedrohung. Artikel 25 der Verfassung garantiert die Gleichheit aller Bürger ohne jegliche Diskriminierung. Artikel 20 der pakistanischen Verfassung garantiert jedem Bürger die Freiheit, seine Religion zu bekennen, auszuüben und zu verbreiten. Als gleichberechtigte Steuerzahler fordern die Christen eine alternative Behörde, die im Sinne der ‚Liebe zu allen‘ oder ‚Liebe deinen Nächsten‘ agiert.“

Don't miss the latest updates!

Nigeria: Ein Jahr nach dem Massaker von Yelewata fordert die Kirche weiter Gerechtigkeit für die Opfer

Bei einer Gedenkmesse zum ersten Jahrestag der Tragödie erinnerte Bischof…

Fußball-Weltmeisterschaft: Religionsfreiheit in 14 der teilnehmenden Nationen bedroht 

Während sich 48 Nationalmannschaften auf den Kampf um den Weltmeistertitel…

Papst und afrikanische Bischöfe verurteilen Mord an mosambikanischem Bischof

Bischof Osório Citora Afonso war ein Freund und Partner von…

Demokratische Republik Kongo: Die Ausbreitung des Terrorismus im Norden verschärft die aktuelle Krise

Trotz der Gefahr und der wachsenden Hungersnot sagen die Missionare, die vor Ort bleiben, dass sie die Gemeinden, denen sie dienen, nicht aufgeben werden, weil die Menschen sie als „lebende...

GroßerzbischofSchewtschuk: „Der Krieg in der Ukraine hat eine massive Bekehrung ausgelöst“

Bei seinem Besuch in der Madrider Geschäftsstelle von ACN sprach das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche über die „Seelsorge des Leids“ und die wesentliche Rolle der Priester als „verwundete Heiler“...

Nigeria: Ein Jahr nach dem Massaker von Yelewata fordert die Kirche weiter Gerechtigkeit für die Opfer

Bei einer Gedenkmesse zum ersten Jahrestag der Tragödie erinnerte Bischof Anagbe an die Opfer und erneuerte seinen Appell, den Vertriebenen eine sichere Rückkehr in ihre Heimatorte zu ermöglichen. Ein Jahr...