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Libanon: Wirtschaftskrise bedroht das Überleben des katholischen Krankenhauses

Das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz ist eine katholische gemeinnützige Einrichtung in Beirut, die durch die Wirtschaftskrise an den Rand des Zusammenbruchs gebracht wurde. Seit ihrer Gründung vor über sechzig Jahren kümmert sie sich um die am stärksten vernachlässigten Menschen, doch jetzt droht ihr die Schließung, weil die Finanzierung nicht gesichert ist.

Das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz liegt auf den Höhen von Beirut. Von dort aus kann man die Trümmer des Hafens sehen. Es beherbergt 800 Patienten, die an verschiedenen psychischen Krankheiten leiden. Sie alle benötigen spezifische und dauerhafte Hilfe. Das Krankenhaus ist ein großer Komplex mit mehreren Gebäuden. Es arbeiten dort mehr als 300 Personen, darunter Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungspersonal.

Die Einrichtung wurde 1952 vom seligen Pater Jacques Haddad gegründet, einem libanesischen Kapuzinerpater. Er starb 1954 und wurde am 22. Juni 2008 in Beirut seliggesprochen. Die Einrichtung geht auf ein Projekt zurück, das Pater Haddad nach dem Ersten Weltkrieg ins Leben gerufen hatte. Hier konnte er sich um die vielen behinderten und psychisch kranken Menschen (oft Kinder) kümmern, die von ihren Familien verlassen worden waren. Der libanesische Kapuziner gründete das Krankenhaus vom Kreuz und 1930 die Kongregation der Franziskanerinnen vom Kreuz im Libanon.

Auf den Spuren ihres Gründers leiten die Franziskanerinnen heute 25 medizinische, soziale oder pädagogische Einrichtungen im gesamten Libanon. Das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz ist eines von ihnen. Von Anfang an hat sich die Einrichtung der Unterstützung der am meisten Benachteiligten verschrieben.

Aufruf zur internationalen Hilfe

Kürzlich erhielten die 65 Ordensschwestern, darunter auch die Leiterin des Krankenhauses, Schwester Jeanette, Besuch von einer Delegation der päpstlichen Stiftung Kirche in Not (ACN). Zusammen mit anderen Organisationen unterstützt und finanziert ACN Projekte, die es der Einrichtung ermöglichen, ihre Patienten weiterhin zu versorgen. Die Wirtschaftskrise belastet die Einrichtung, die derzeit von ihren Reserven lebt und ohne internationale Solidarität nur wenige Monate überleben würde.

Das Krankenhaus braucht dringend Geld, um sein Personal zu bezahlen, seine Patienten zu ernähren und teure Medikamente zu kaufen, deren Preise sich durch die Abwertung des libanesischen Pfunds mehr als verdreifacht haben. Da der Strom nur eine Stunde pro Tag zur Verfügung steht, laufen die Generatoren des Krankenhauses auf Hochtouren und verbrauchen jede Woche fünfzehn Tonnen Treibstoff, wobei eine Tonne über 700 US-Dollar kostet.

Infolge der COVID-19-Pandemie war das Krankenhaus gezwungen, seine Kapazität von 1000 auf 800 Betten zu reduzieren. Vor der Pandemie leistete der Staat einen Zuschuss in Höhe von 2 US-Dollar pro Patient, also insgesamt 2.000 US-Dollar pro Monat. Obwohl diese Summe minimal und unzureichend war, stellte sie ein regelmäßiges Einkommen dar. Seit Sommer 2020 erhält das Krankenhaus jedoch überhaupt keine öffentlichen Mittel mehr. Der Kongregation  bleibt keine andere Wahl, als um internationale Finanzmittel zu bitten, ohne die das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz gezwungen wäre, zu schließen. Dies wäre eine Katastrophe für die Patienten.

Verlassen und ohne Familie

Als ACN Schwester Jeanette in Beirut traf, erklärte sie, dass bei einer Schließung des Krankenhauses die meisten Patienten auf der Straße landen würden. „Viele haben keine Familie mehr“, sagte sie. Noch schlimmer ist, dass viele Familien ihre Kinder im Krankenhaus zurücklassen und falsche Namen, Adressen und Telefonnummern angeben. Leider, so die Ordensschwester, betreffe dies oft die schwersten Fälle. Sie versicherte jedoch, dass sie ihr Bestes tun würde, um sicherzustellen, dass die Kinder in ihrer Not nicht allein gelassen werden, falls die Finanzierung ausbleibt und die Einrichtung geschlossen werden muss.

Das Pflegepersonal, das wie die überwiegende Mehrheit der Libanesen von der Krise nicht verschont geblieben ist, will seine Arbeit fortsetzen. Die Krankenschwestern stellen oft den einzigen Kontakt der Patienten mit der Außenwelt dar. Foutine, eine junge Krankenschwester, weist auf das Leid vieler Patienten im Krankenhaus hin. Sie sagt, sie betrachte ihre Arbeit als „Berufung“ und wehrt sich gegen den Gedanken, dass die Einrichtung aus Geldmangel geschlossen werden könnte.

Weder Foutine noch ihre Kolleginnen und Kollegen, von denen viele „Ersatzfamilien“ für diese Kinder sind, können sich  nicht vorstellen, sie im Stich zu lassen.

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