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Libanon: Sie zählen darauf, dass wir ihnen zur Seite stehen – sowohl spirituell als auch finanziell

Interview mit Reinhard Backes, Projektleiter beim Hilfswerk Aid to the Church in Need, nach seinem Besuch im Libanon vom 7. bis zum 16. September

Wie ist die Lage im Libanon? 

Die Menschen im Libanon – vor allem die Christen, denn ihr Viertel wurde von der Explosion am schlimmsten getroffen – leiden sehr. Dafür gibt es verschiedene Gründe: 1. Die Landeswährung verliert aufgrund der Finanzkrise, die im letzten Jahr begonnen hat, täglich an Wert; 2. Die Schäden sind verheerend und so auch die Folgen für Hunderttausende, die ihr Zuhause verloren haben; 3. Die politische Krise, eine Mischung aus Korruption, Despotismus, Ignoranz, Inkompetenz und dem äußeren Einfluss ausländischer Mächte, lähmt die Menschen und das Land.

Reinhard Backes, Projektleiter beim Hilfswerk Aid to the Church in Need.
Reinhard Backes, Projektleiter beim Hilfswerk Aid to the Church in Need.

Was war der Zweck Ihres Besuchs?

Ziel war es, uns einen Überblick über die Situation verschaffen und zu klären, wie ACN in den nächsten Monaten Unterstützung leisten kann. Wir haben 23 Orte besucht – Kirchen, Nonnen- und Mönchsklöster und andere Kirchengebäude –, die durch die Explosion schwer beschädigt worden sind. Und wir haben Gespräche mit sieben (Erz-)Bischöfen verschiedener Riten und Konfessionen wie auch mit dem Nuntius in Beirut, Erzbischof Joseph Spiteri, geführt.

Welcher Moment der Reise hat sie am tiefsten beeindruckt?

Die Begegnung mit jungen Katholiken, die entschlossen sind, nicht aufzugeben! Sie alle haben bei der Explosion Freunde verloren und kennen Menschen, denen nichts mehr geblieben ist. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie so viele Menschen, vor allem Jugendliche, vorbildlich und bereitwillig denjenigen helfen, die am schlimmsten von der Explosion betroffen sind; wie sie die Straßen reinigen, usw. Sehr bewegend war auch der Besuch bei armen Familien – Libanesen und syrischen Flüchtlingen –, in Beirut und Zahlé.

Könnten Sie uns ein Beispiel geben, von etwas, was Sie beeindruckt hat? 

Das Treffen mit Georges, Vater von vier Kindern, der den Libanon verlassen und nach Dubai fliegen musste, weil er nicht mehr in der Lage ist, im Libanon seine Familie finanziell zu unterstützen. Das war herzzerreißend.

Was war die Botschaft unserer Partner?

Die libanesischen Christen sind zwar großzügig, aber das hier ist zu viel, als dass sie es allein bewältigen könnten. Das Land erlebt schon seit Jahren einen gravierenden wirtschaftlichen Niedergang, schon vor der Explosion haben die Menschen ums Überleben gekämpft. Sie zählen darauf, dass wir ihnen helfen – sowohl spirituell als auch finanziell.

Warum sollte ACN den Libanon unterstützen?

Der Libanon ist das letzte Land im Nahen Osten mit einem beträchtlichen Anteil an Christen. Er ist auch zu einem Zufluchtsort für Christen aus anderen Nahost-Ländern wie Syrien und dem Irak geworden. Die libanesischen Christen genießen hohen Respekt in der Gesellschaft, christliche Schulen werden von Menschen aller Glaubensrichtungen sehr geschätzt. Sie bilden eine Brücke zwischen den verschiedenen Gruppen im Land. Dennoch sprechen aufgrund der Verschlechterung der politischen und finanziellen Situation in den letzten Jahren viele Christen davon, das Land zu verlassen – wenn auch schweren Herzens. Es ist die Pflicht von ACN, ihnen neue Hoffnung zu geben, eine Perspektive, damit sie in diesem schönen Land bleiben. Und die Kirche, die ja ein zentrales Element in ihrem Leben darstellt, muss mithilfe unserer Bemühungen gestärkt werden.

Welche nächsten Schritte plant ACN?

Wir bereiten ein Hilfspaket in Höhe von zwei Millionen Euro vor. Ziel ist es zunächst, die Reparatur der Gebäude voranzutreiben, die noch vor Wintereinbruch geschützt werden müssen. Dabei geht es vor allem um die Erneuerung von Dächern, Türen und Fenstern in Klöstern, Kirchen und einigen Sälen oder kirchlichen Verwaltungsgebäuden. Ein Ingenieur, der bereits bei unseren Bauprojekten im Irak eine große Hilfe war, hat mich nach Beirut begleitet und konnte vor Ort mit den Architekten und Ingenieuren sprechen. Das war sehr nützlich und extrem wichtig.

Wer werden unsere Partner vor Ort sein?

Unsere Partner werden Bischöfe, Priester und Schwestern sein, deren religiöse Gebäude durch die Explosion beschädigt worden sind. Die Maronitische Kirche ist die größte im Bezirk, aber viele Gebäude der anderen Riten (zum Beispiel des griechisch-katholischen und des lateinischen Ritus) und der orthodoxen Kirche sind ebenfalls beschädigt worden; auch sie werden unsere Hilfe benötigen.

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