Home » Nachricht » Äthiopien: Gebt dem Frieden eine Chance

Äthiopien: Gebt dem Frieden eine Chance

Ein indischer Bischof, der seit vielen Jahren als Missionar in Äthiopien tätig ist, hat einen leidenschaftlichen Appell ausgesprochen, die Gespräche zwischen der Regierung und den Rebellenarmeen wieder aufzunehmen. Ziel dieser Gespräche ist die Beendigung eines Konflikts, der Hunderte von Menschenleben gekostet und Zehntausende von Menschen aus ihrer Heimat vertrieben hat.

Bischof Varghese Thottamkara bei seinem Besuch bei ACN UK in Sutton am 22.05.2023
Bischof Varghese Thottamkara bei seinem Besuch bei ACN UK in Sutton am 22.05.2023

Bischof Varghese Thottamkara, der Apostolische Vikar von Nekemte, in Äthiopien sagte gegenüber dem katholischen Hilfswerk Aid to the Church in Need (ACN), es ginge ein Aufschrei durch die Bevölkerung – ein Aufschrei nach Frieden zwischen der Regierung und den aufständischen Volksgruppen der Oromo und Gumuz.

Der Bischof, dessen Vikariat im Westen Äthiopiens als Epizentrum der Rebellion der Oromo Liberation Army (OLA) bezeichnet wird, wies besonders auf die massenhafte Vertreibung der Bevölkerung, die ständig drohende Gefahr von Entführungen, um Lösegeld zu erpressen, sowie auf die Ausgangssperren in der Stadt Nekemte und in anderen Orten hin.

Im Rahmen eines Besuchs des britischen Nationalbüros von ACN in Sutton in der Grafschaft Surrey sagte Bischof Thottamkara: „Die Menschen sind des Leidens so überdrüssig. Sie brauchen eine Lösung. Darum hoffen wir, dass diese Gespräche zu einem Ergebnis führen werden.“

Er fügte hinzu: „Sowohl die Regierung als auch die Volksgruppen müssen an das Wohl der Menschen denken. Die Regierung muss den Rebellen mehr sagen als nur ‚Legt die Waffen nieder.‘ Diese Menschen müssen als Kräfte der Polizei und der Armee wieder eingegliedert werden. Sie müssen in die Gesellschaft integriert werden.“

Die OLA warf der Regierung vergangene Woche vor, eine Militäroffensive gegen sie durchzuführen, nachdem die zu Beginn des Monats geführten Friedensverhandlungen ohne Lösung beendet worden waren.

Der Bischof forderte die Verhandlungsführer jedoch auf, hartnäckig zu bleiben, und wies auf die Auswirkungen des Konflikts auf seine eigene Diözese hin.

Nach neun Jahren in Nekemte wird der Bischof die Stadt nun im nächsten Monat verlassen, um Bischof von Balasore in Indien, zu werden. Wie er sagte, waren zwanzig seiner Kirchen – rund 20 Prozent der Gesamtzahl – gezwungen, aus Sicherheitsgründen zu schließen, da viele seiner Geistlichen in Gefahr seien, weil sie dem Volk der Oromo angehören.

Der Bischof schilderte zwei Vorfälle, in denen sein eigenes Leben bedroht war. Einmal geriet ein ihm vorausfahrendes Fahrzeug unter Beschuss, bei einer anderen Gelegenheit wurde er in einer Stadt, durch die er gerade fuhr, von schwer bewaffneten Rebellen aufgehalten.

Bischof Thottamkara berichtete, dass Geistliche und Ordensschwestern zur Erpressung von Lösegeld entführt werden und unter anderem die Gemeinden Shambu, Anger Guten und Kamashi aufgeben müssen.

Er sagte: „Es schmerzt sehr zu wissen, dass unsere Mitmenschen so viel durchmachen und dabei die Sakramente nicht erhalten können.“

Wie der Bischof weiter sagte, seien viele Gläubige wegen der Abwesenheit von Geistlichen auf Katecheten angewiesen, weshalb er Aid to the Church in Need für die Finanzierung ihrer Ausbildung und die Übernahme ihrer Unkosten dankte.

Weiterhin dankte er dem Hilfswerk für die Messstipendien für arme und verfolgte Priester sowie die fortlaufenden Ausbildungsprogramme für Geistliche.

Don't miss the latest updates!

Äthiopien: Dutzende orthodoxe Christen bei Angriffen getötet

Die katholische Kirche in Äthiopien erneuert ihren Appell für Frieden…

Laut einem neuen ACN-Bericht verschärft sich die Christenverfolgung in weiten Teilen der Welt

Konflikte und Verfolgung zwingen christliche Gemeinschaften in Teilen Afrikas und…

Venezuelas Bischöfe fordern freie Wahlen und ein Ende der Einschränkungen für NGOs

In einem kürzlich veröffentlichten Hirtenwort erklärt die Bischofskonferenz, Venezuela durchlebe…

Angriff auf Kirche in Jordanien fordert neun Todesopfer

Ein katholischer Priester betont, dass die Angreifer die Jordanier tief…

Kirchen verurteilen Siedlerangriffe auf christliches Dorf und ausländische Diplomaten

Kirchenvertreter in Jerusalem haben die „abscheulichen“ Angriffe maskierter israelischer Siedler…

Lateinamerikanische Bischöfe freuen sich auf die „Heimkehrreise“ des Papstes

Die Kirche steht vor sehr unterschiedlichen Herausforderungen in Uruguay, Argentinien…

Heiliges Land: „Der Lebensraum für Christen wird immer kleiner“

Rektor eines Priesterseminars im Westjordanland warnt vor wachsendem Druck. Die…

„Beten, unterstützen und besuchen“: Die Geschäftsführende Präsidentin von Aid to the Church in Need (ACN) über die Lage der Christen im Heiligen Land

Nach ihrer jüngsten Reise ins Heilige Land berichtet Regina Lynch über die Herausforderungen für die christlichen Gemeinschaften vor Ort. Sie erläutert, warum ist es wichtig, ihren Lebensunterhalt zu sichern und...

Äthiopien: Dutzende orthodoxe Christen bei Angriffen getötet

Die katholische Kirche in Äthiopien erneuert ihren Appell für Frieden und den Schutz der Zivilbevölkerung. Mindestens 60 Menschen, darunter ältere Menschen und Kinder, sollen bei Angriffen auf orthodoxe Christengemeinden in...

Laut einem neuen ACN-Bericht verschärft sich die Christenverfolgung in weiten Teilen der Welt

Konflikte und Verfolgung zwingen christliche Gemeinschaften in Teilen Afrikas und Asiens zur Flucht. In anderen Weltregionen wächst der Druck durch autoritäre Regierungen und religiösen Nationalismus. In 55 Prozent der 18...