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„Bailasan“ – ein Balsam für seelische Gesundheit im Heiligen Land

Das Bailasan Counselling Centre („Bailasan Beratungszentrum“) ist die erste katholische Einrichtung für psychosoziale und psychische Gesundheit, die ausschließlich darauf ausgerichtet ist, der christlichen Gemeinschaft im Westjordanland Hilfe zu leisten. ACN hat die Renovationsarbeiten des Beratungszentrums finanziert und sprach kürzlich bei einem Besuch mit den Mitarbeitern. Deren Aufgabe ist es, eine Bevölkerungsgruppe zu betreuen, die infolge der vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Spannungen im Heiligen Land unter vielfältigen Traumata leidet.  

Eine Befragung

Die Christen im Heiligen Land leiden unter verschiedenen Traumata und psychischen Gesundheitsproblemen, die mit dem aktuellen Konflikt zusammenhängen.
Die Christen im Heiligen Land leiden unter verschiedenen Traumata und psychischen Gesundheitsproblemen, die mit dem aktuellen Konflikt zusammenhängen.

Die Mitarbeiter des Bailasan Counselling Centre, dessen Wirkungskreis in Bethlehem im Westjordanland liegt, gehen da
Der Krieg zwischen Israel und der Hamas konzentriert sich zwar auf den Gazastreifen, aber seine Auswirkungen sind überall im Heiligen Land und im Nahen Osten spürbar und vertiefen die Spaltung einer Gesellschaft, die schon vorher unter bitteren, langanhaltenden Feindseligkeiten und gegenseitigem Misstrauen zu leiden hatte.

Für die Christen im Westjordanland wird die Situation dadurch erschwert, dass sie als schrumpfende Minderheit einer überwältigenden muslimischen Bevölkerungsmehrheit gegenüberstehen, die zudem im Laufe der Jahre Anzeichen einer wachsenden Radikalisierung gezeigt hat.

Bei dem Besuch einer Delegation des Hilfswerks Aid to the Church in Need (ACN), das die Renovierung und ein Arbeitsbeschaffungsprogramm des Zentrums finanziert hat, beschrieb der Psychologe Albert Khader Hani die aktuelle Situation: „Wir sind mit verschiedenen Problemen konfrontiert, dazu gehören Besetzung und Gewalt. Der Krieg wirkt sich auf alle Lebensbereiche der Menschen hier aus, insbesondere bei den palästinensischen Christen. Als führende palästinensische Christen ist es unsere Aufgabe, mit ihnen zu arbeiten. Denn es gibt hier zwar viele Zentren für psychische Gesundheit, aber ihr Schwerpunkt liegt nicht ausschließlich auf der christlichen Gemeinschaft. Wir haben unsere Identität und wollen sie bewahren; und wir wollen unsere Vision zusammen mit ihnen weiterführen, in Sicherheit leben zu können.“

Angesichts dieser Situation und der sehr begrenzten Lösungsansätze des palästinensischen Gesundheitsministeriums beschloss das Lateinische Patriarchat von Jerusalem, im Juni 2024 das Bailasan Counselling Centre zu eröffnen. Das Team des Zentrums – unter anderem Mitarbeiter, die im Rahmen eines
„Wir versuchen, gegen die Stigmatisierung anzukämpfen. Manche fürchten sich, hierherzukommen. Sie denken, sie könnten verurteilt werden, und haben Angst, über ihr Problem zu sprechen“, sagt Schwester Lorena Cecilia, eine mexikanische Comboni-Missionarin mit einem Abschluss in Psychologie.

Mitarbeiter des Bailasan-Zentrums, mit Hala Baterseh (Mitte) und Schwester Lorena Cecilia (rechts)
Mitarbeiter des Bailasan-Zentrums, mit Hala Baterseh (Mitte) und Schwester Lorena Cecilia (rechts)

„Man kann den Einfluss seiner Kultur nicht ausblenden. In unseren Familien haben wir Angst, mit psychischen Krankheiten in Verbindung gebracht zu werden. Wir kennen uns alle untereinander und suchen deswegen ungern Hilfe. Unsere Arbeit hier ist also nicht leicht! Trotzdem ist es im Vergleich zu früher schon viel besser geworden. Und der Erfolg unserer Arbeit hat schon dazu geführt, dass allmählich ein Wandel in der Kultur einsetzt“, fügt Albert Khaled Hani hinzu.

„Physisch sind sie hier, doch ihre Gedanken drehen sich nur ums Auswandern“

Eine Lösung, die das Zentrum gefunden hat, besteht darin, nicht darauf zu warten, dass die Menschen von selbst kommen, sondern hinauszugehen und die Gemeinschaft da zu treffen, wo sie zusammenkommt: in Jugendgruppen, Pfadfindergruppen, Selbsthilfegruppen für Mütter von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, Kirchengemeinden und Schulen.

Besonders wichtig sei die Arbeit mit jungen Menschen, so Schwester Lorena, denn viele von ihnen seien so sehr darauf aus, ihr Heimatland zu verlassen, dass sie der Gegenwart nicht genug Beachtung schenkten. „Ein großes Problem ist die Trennung von Familien – Eltern im Ausland oder Kinder, die ins Ausland wollen. Junge Mädchen zum Beispiel können sich nicht vorstellen, hier zu leben. Das führt zu Problemen in ihrer Lebensführung, denn ihre täglichen Entscheidungen sind auf eine zukünftige Abreise ausgerichtet. Physisch sind sie hier, doch ihre Gedanken drehen sich nur ums Auswandern.“

Das Bailasan-Zentrum ist derzeit das einzige christlich geführte Gesundheitszentrum, das ausschließlich auf Christen zugeschnitten ist. „Eine solche Arbeit wurde noch nie zuvor auf der Grundlage christlicher Werte getan. Wir sind nicht wie andere Zentren; unsere Grundlage ist die Bibel. Wenn ein Nichtchrist zu uns kommt, verweisen wir ihn an ein anderes Zentrum“, sagt Hala Batarseh, eine Sozialarbeiterin, die aus Bethlehem stammt.

Das Zentrum befindet sich nahe dem Stadtzentrum von Bethlehem in einem schönen Gebäude, das früher ein Kloster war. ACN hat die Renovierung des Gebäudes sowie den schönen und ruhigen Heilgarten auf der Rückseite mitfinanziert, letzteres im Rahmen seines Arbeitsbeschaffungsprogramms.

Das Wort „bailasan“ ist arabisch für „Balsam“ und ist inspiriert von Jeremia 8,22: „Gibt es denn keinen Balsam in Gilead, ist dort kein Wundarzt? Warum schließt sich denn nicht die Wunde der Tochter, meines Volkes?“ Die Mitarbeiter des Bailasan-Zentrums wollen ein lindernder Balsam für die psychischen Nöte eines traumatisierten Volkes in einer vom Krieg zerrütteten Region sein.

 

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