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Nigeria: Ein Jahr nach dem Massaker von Yelewata fordert die Kirche weiter Gerechtigkeit für die Opfer

Bei einer Gedenkmesse zum ersten Jahrestag der Tragödie erinnerte Bischof Anagbe an die Opfer und erneuerte seinen Appell, den Vertriebenen eine sichere Rückkehr in ihre Heimatorte zu ermöglichen.

Ein Jahr nach dem Massaker von Yelewata im nigerianischen Bundesstaat Benue haben am Samstag, dem 13. Juni, Hunderte Menschen der Opfer eines der tödlichsten Angriffe gedacht, denen die christlichen Gemeinden der Region in den vergangenen Jahren ausgesetzt waren.

Die Jubiläumsmesse in Yelewata aus der Vogelperspektive

Die Gedenkmesse versammelte Überlebende, Angehörige der Getöteten und Mitglieder der Ortskirche zum Gebet und zum Gedenken an diejenigen, die bei der Tragödie ihr Leben verloren. Verlesen wurde auch eine Solidaritätsbotschaft des Apostolischen Nuntius in Nigeria, in der er den Betroffenen das Gebet der Weltkirche zusicherte und daran erinnerte, dass der Evangelisierungsauftrag der Kirche auch angesichts von Verfolgung und Leid weiterbestehe.

Im Gespräch mit „Aid to the Church in Need“ (ACN) nach der Gedenkfeier bezeichnete der Bischof von Makurdi, Wilfred Chikpa Anagbe, die Ermordung unschuldiger Menschen als „schweres Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit.“ Zugleich forderte er, die Verantwortlichen für den Anschlag vor Gericht zu stellen.

Der Bischof beklagte zudem, dass das Ausmaß der Gewalt gegen christliche Gemeinden in Benue von manchen Kreisen weiterhin heruntergespielt oder geleugnet werde. Zugleich zeigte er sich besorgt über das Ausbleiben wirksamer Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen. Yelewata liege nicht weit von wichtigen städtischen Zentren entfernt, in denen Sicherheitskräfte stationiert seien, betonte Anagbe.

Bei dem Massaker im Juni 2025 kamen über 250 Menschen ums Leben

Eine zentrale Botschaft des Bischofs galt der Lage der Binnenvertriebenen. Familien, die durch die Gewalt von ihrem Land vertrieben worden seien, dürften nicht gezwungen werden, auf unbestimmte Zeit in Lagern oder provisorischen Siedlungen zu leben. „Die Vertriebenen müssen in ihre angestammten Heimatorte zurückkehren“, bekräftigte er.

Der Pfarrer von Yelewata: „Gott hat uns nicht verlassen“

Die von Bischof Anagbe geäußerten Bedenken decken sich mit den Eindrücken, die ACN kürzlich bei einem Besuch in der Gemeinde Yelewata gewonnen hat. Vertreter des Hilfswerks trafen dort Pater Jonathan Ukuma, den Pfarrer des Ortes und Augenzeugen des Massakers.

Hunderte kamen zusammen, um der Toten und Verletzten zu gedenken

Der Priester erinnerte an die Nacht des Angriffs und sprach von Stunden des Schreckens. „Es war eine schreckliche Nacht“, sagte er. Drei Stunden lang hätten bewaffnete Männer die Gemeinde angegriffen. Zahlreiche Menschen suchten damals Zuflucht in der Kirche, die bereits zuvor für Vertriebene aus anderen Dörfern zu einem Schutzort geworden war.

Bei Tagesanbruch bot sich dem Priester ein verheerendes Bild. „Wir sahen Leichen, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren“, berichtete er. Insgesamt kamen bei dem Angriff 259 Menschen ums Leben.

Trotz des Traumas und des Leids entschloss sich Pater Jonathan, bei seiner Gemeinde zu bleiben, um die Überlebenden zu begleiten. „Gott hat uns nicht verlassen. Der Glaube überwindet jede Herausforderung“, sagte er.

Ein Jahr nach dem Massaker haben viele Familien weiterhin alles verloren: ihre Häuser, ihre Lebensgrundlage und zahlreiche Angehörige. „Die Menschen brauchen Unterstützung, um ihre Würde und ihre Hoffnung wiederzugewinnen“, betonte der Priester.

Eine der größten Herausforderungen für die von Gewalt betroffenen Christen sei die Vergebung, räumte der junge Priester ein. Zugleich unterstrich er, dass Versöhnung zum christlichen Weg gehöre. „Um Vergebung zu erlangen, müssen auch wir lernen, zu vergeben“, sagte er und rief dazu auf, sogar für jene zu beten, die so großes Leid verursacht hätten.

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