Gaza: Osterhoffnung inmitten der Trümmer
Auf dem Gelände der katholischen Pfarrei in Gaza hat die Karwoche inmitten des anhaltenden Krieges und großer Not begonnen. Dennoch möchte die Gemeinde Ostern mit Inbrunst feiern – getragen vom beharrlichen Gebet um Frieden im gesamten Nahen Osten. Das berichtet Pfarrer Gabriel Romanelli im Gespräch mit dem päpstlichen Hilfswerk Aid to the Church in Need (ACN).
Je näher das Osterfest rückt, umso ungewisser bleibt, wie die einzelnen liturgischen Feiern in der Pfarrei „Heilige Familie“ tatsächlich stattfinden können. Denn der Krieg bestimmt weiterhin den Alltag in Gaza. Trotz der Ungewissheit hat die Gemeinde mit den Vorbereitungen begonnen: „Wir haben uns mit den Ministranten darauf vorbereitet, die gesamte Karwoche mit der vollständigen Liturgie zu feiern“, sagt Pater Gabriel Romanelli gegenüber ACN.

Wie genau die Feiern ablaufen werden, hängt jedoch von der Sicherheitslage ab. „Wir müssen die Gefahr von Tag zu Tag neu einschätzen“, erklärt der Pfarrer der einzigen katholischen Pfarrei in der palästinensischen Enklave. Zwar seien die Bombardierungen seltener geworden, doch aufgehört hätten sie nicht. Im Ernstfall müssten die Feiern vollständig im Inneren der Kirche stattfinden. Für Romanelli liegt das Eigentliche jedoch anderswo: „Es geht vor allem darum, an Jesus zu erinnern, an seinen Schmerz und seine erlösende Liebe, damit auch wir unsere Leiden für die Erlösung aller und für den Frieden in Gaza, in Jerusalem, in ganz Palästina, in Israel, im Libanon, im Iran, in den Golfstaaten und im gesamten Nahen Osten aufopfern.“
Eine lebendige Liturgie inmitten widriger Umstände
Der Palmsonntag am 29. März, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert, fand bei Regen und in angespannter Atmosphäre statt, wie ACN erfahren konnte. „Es gab viele Schüsse über die gelbe Linie hinweg [damit ist die israelische Militärgrenze gemeint, die während des Waffenstillstands im Oktober 2025 festgelegt wurde], und Granatsplitter fielen auf das Dach“, berichtet Pater Romanelli. Wegen der Gefahr habe die Gemeinde darauf verzichten müssen, das große Kreuz über der Kirche mit Palmzweigen zu schmücken. An der Fassade, die das Kreuz trägt, sind die Spuren der Angriffe sichtbar; das Kreuz selbst blieb unversehrt – ein eindringliches Zeichen angesichts des nahen Osterfestes. Entgegen aller Erwartungen konnte die Palmprozession dennoch vor der heiligen Messe im Freien, im Innenhof der Pfarrei, stattfinden.

Auch die Feiern des österlichen Triduums sollen, so weit möglich, wie üblich stattfinden – wenn auch mit Anpassungen. Am Gründonnerstag werden zwölf Männer, die sowohl aus katholischen als auch orthodoxen Familien ausgewählt wurden, an der Fußwaschung teilnehmen. Die Geste soll inmitten der Not ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit setzen. Die orthodoxen Christen feiern Ostern in diesem Jahr am 12. April.
Am Karfreitag wird die sonst übliche szenische Darstellung der Passion Christi aus Zeit- und Kraftmangel nicht stattfinden. Stattdessen plant die Gemeinde nach der Liturgie eine Trauerprozession mit der „Grablegung Christi“. Sie wird zum kleinen Friedhof neben der Kirche führen und soll ein Zeichen des Gedenkens an alle Opfer des Krieges sein – besonders an jene aus der katholischen und orthodoxen Gemeinde Gazas. Denn die christliche Gemeinschaft von Gaza zahlt im Konflikt einen hohen Preis. Fast sechs Prozent ihrer Mitglieder haben seit Beginn des Krieges ihr Leben verloren – insgesamt 60 Menschen. 23 von ihnen starben durch Bombenangriffe oder Schüsse von Scharfschützen, weitere 23 infolge fehlender medizinischer Versorgung, 14 weitere aufgrund ihres hohen Alters und der durch den Krieg drastisch verschärften Lebensbedingungen.
Die Osternacht am Karsamstag soll trotz aller Einschränkungen in ihrer ganzen liturgischen Fülle gefeiert werden. Doch auch hier wird der Mangel die äußeren Zeichen des Festes prägen. Weil die traditionellen Weihrauchtütchen fehlen, möchte die Pfarrei – ähnlich wie schon zu Weihnachten – Weihwasser und Schokolade verteilen, die sie „um jeden Preis“ zu beschaffen versucht, um wenigstens ein kleines Zeichen österlicher Freude zu setzen. „Lasst uns hoffen, dass sich das gesamte Heilige Land über das Osterfest des Herrn freuen kann und dass der Herr uns das Ende dieses schrecklichen Krieges und die Öffnung der Grenzen gewährt, damit Medikamente hierher gelangen können“, so der Missionspriester gegenüber ACN.
Zwischen humanitärer Krise und der Auferstehung

„Es fehlt nach wie vor an umfangreichen Hilfsgütern für den Wiederaufbau der Häuser: Es mangelt an Glas, Holz, Zement, Kabeln, Eisen, Elektroinstallationen und Wasserversorgungssystemen“, beklagt Pater Gabriel. Viele der vertriebenen Christen hätten das Pfarrgelände inzwischen verlassen, um anderswo einen neuen Anfang zu versuchen. Manche seien in die Ruinen ihrer Häuser zurückgekehrt, andere lebten in verlassenen, geliehenen oder gemieteten Unterkünften – oft unter äußerst prekären Bedingungen. Dennoch beobachtet Romanelli auch Zeichen neuer Kraft. „Dass viele Familien begonnen haben, wieder außerhalb des Pfarrgeländes zu leben, gibt ihnen Halt“, bemerkt er. Zugleich bleibe die Pfarrei das Herz der Beständigkeit und Unterstützung. Kinder kämen morgens zum Unterricht und am Nachmittag zu den Aktivitäten des Pfarrzentrums. Weil nach dem Auszug von Vertriebenen wieder etwas Platz vorhanden sei, könne die Schule der Pfarrei nun sogar erneut muslimische Schüler aufnehmen – wie es die Schulen des Lateinischen Patriarchats in Gaza schon vor dem Krieg getan hätten.