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ACN bittet um Gebet für Nicaragua: „Es wird versucht, die Kirche zum Schweigen zu bringen“

Aid to the Church in Need möchte in Anbetracht der traurigen und schmerzlichen Situation, die der Klerus und die gesamte Kirche Nicaraguas durchleben, seine Einheit, Freundschaft und Brüderlichkeit mit dem Land zum Ausdruck bringen.

ACN erinnert an die am 7. August veröffentlichte Botschaft der Nicaraguanischen Bischofskonferenz, in der die Bibelstelle zitiert wird: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“ (1 Kor 12,26)”. Das Hilfswerk lädt die Menschen ein, für den Frieden in Nicaragua zu beten und die Christen dort zu unterstützen.

Auch Papst Franziskus drückte nach dem Angelusgebet am Sonntag, dem 21. August, seine Sorge und sein Bedauern über die schwierige Situation in Nicaragua aus.

„Nicaragua wird weiterhin von der Krise erschüttert, die vor mehr als vier Jahren ausbrach. Die Lage in dem mittelamerikanischen Land ist kritisch, die Polarisierung groß und die Konfrontation stark. Wir glauben, dass das Gebet in dieser Zeit wichtiger ist als je zuvor“, erklärt Regina Lynch, internationale Projektleiterin bei ACN.

Gewalttätige Demonstrationen in Nicaragua
Priester und Seminaristen, die versuchen, die Gewalt während der Demonstrationen 2018 zu stoppen.

Sechs Priester und ein Bischof wurden verhaftet

Nach einer deutlichen Zunahme der staatlichen Anfeindungen in den letzten Monaten führte die Nationalpolizei am 19. August um 3 Uhr morgens eine Razzia im Bischofshaus der Diözese Matagalpa durch und nahm Bischof Rolando Álvarez zusammen mit anderen zu diesem Zeitpunkt im Bischofshaus anwesenden Personen fest. Seine Verhaftung ist eine weitere Maßnahme im Rahmen des polizeilichen Drucks, der am 4. August mit der Blockade aller Zugänge zum Bischofshaus durch Polizeibeamte begonnen hatte. In der offiziellen Verlautbarung der Polizei hieß es später, die Operation sei „in Erfüllung der verfassungsmäßigen Aufgaben zum Schutz der Sicherheit, der Ruhe und des Friedens für die nicaraguanischen Familien“ durchgeführt worden.

„Diese Ereignisse sind ein weiterer Schritt in einer Spirale der Konfrontation. Wir erleben gerade einen Prozess, der die Kirche in Nicaragua zum Schweigen bringen will. Und die Lösung ist schwierig, aber wir müssen beten und um eine friedliche Lösung bitten, dass die Feindseligkeiten nicht zunehmen“, so Lynch.

Bischof Álvarez, der außer Bischof von Matagalpa auch Apostolischer Administrator der vakanten Diözese Estelí ist, befindet sich derzeit in Haus seiner Angehörigen in der Nähe von Managua in Polizeigewahrsam. Drei Priester, ein Diakon, zwei Seminaristen und ein Kameramann wurden mit ihm verhaftet und sind immer noch im Gefängnis „El Chipote“ in Managua, wo politische Gefangene festgehalten werden.

Derzeit befinden sich insgesamt sechs Priester im Land in Haft, denn außer den drei oben genannten sind zwei Priester aus Granada und ein Missionspriester aus Siuna inhaftiert. Letzterer befindet sich seit dem 14. August im Gefängnis, ohne dass bekannt wurde, was ihm vorgeworfen wird.

Bischof Rolando José Alvarez Nicaragua
Msgr. Rolando José Alvarez Lagos, Bischof der Diözese Matagalpa (Nicaragua)

190 Übergriffe in vier Jahren

Bischof Álvarez war eine der Stimmen, die die soziale Krise anprangerten, die das Land in den letzten Jahren erlebt hat. In weniger als vier Jahren gab es im Land mehr als 190 Übergriffe und Schändungen gegen die katholische Kirche. Dies geht aus dem jüngsten Bericht der Rechtsanwältin Martha Patricia Molina Montenegro „Nicaragua: eine verfolgte Kirche? (2018-2022)“ hervor.

Über konkrete Repressionen gegen Mitglieder des Klerus – einschließlich der Ausweisung des Apostolischen Nuntius im März – gehören zu den Zwangsmaßnahmen das Verbot von öffentlichen Prozessionen, die Unterbrechung von Gottesdiensten, die Einschüchterung von Gläubigen durch Polizeieinsätze in der Nähe von Kirchen sowie die Drohungen an Bus- oder Taxifaher, die Gläubige zu religiösen Veranstaltungen bringen.Darüber hinaus hat die Regierung hunderten Nichtregierungsorganisationen verboten, unter denen einige konfessionell sind oder von kirchlichen Vereinigungen geleitet werden. Zu den weiteren Maßnahmen, die von der Öffentlichkeit stark kritisiert wurden, gehören die Ausweisung der Ordensschwestern von Mutter Teresa von Kalkutta, die sich für die am stärksten Benachteiligten einsetzten, sowie die Schließung des Fernsehsenders der Bischofskonferenz und von acht weiteren katholischen Radiosendern.

Nicaragua braucht Gebet und Hoffnung:

Bei seinem letzten Besuch in der internationalen ACN-Zentrale im Jahr 2019 sagte Bischof Rolando Álvarez, der für die Bereiche Kommunikation und Laien zuständig sowie Vorsitzender der Jugendseelsorge bei der Bischofskonferenz ist:

„Der Name des Hilfswerks – Kirche in Not – gefällt mir sehr gut, denn die Kirche ist in Not. Sie braucht Gebet und Hoffnung, um weiterhin ihrer prophetischen Verkündigung nachzukommen. Die Kirche muss weiterhin zu einem Volk werden, das seine Türen für alle ohne Unterschiede öffnet“.

„Wir sind alle die arme Witwe, sowohl diejenigen, die viel Geld haben, als auch diejenigen, die sehr wenig haben. Das Geheimnis ist – wie die heilige Teresa von Kalkutta sagte – ‚zu geben, bis es weh tut’. Deshalb sage ich den Wohltätern von ACN: Macht weiter, ohne Angst, so wie ihr es bisher getan habt; gebt, bis es weh tut; gebt, was ihr zum Leben habt, denn so schenkt ihr anderen das Leben“, bat der Bischof bei seinem Besuch.

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