TELLEN

Einführung

Dr. Thomas Heine-Geldern Geschäftsführende Präsident , ACN International

„In einer Welt, in der verschiedene Formen moderner Tyrannei versuchen, die Religionsfreiheit zu unterdrücken oder sie auf eine Subkultur ohne Mitsprache- und Stimmrecht in der Öffentlichkeit herabzusetzen oder die Religion als Vorwand für Hass und Brutalität zu gebrauchen, ist es notwendig, dass die Anhänger der verschiedenen religiösen Traditionen ihre Stimmen vereinen, um Frieden, Toleranz sowie die Achtung der Würde und der Rechte der anderen zu fordern.“ [1]

Papst Franziskus

 

Am 28. Mai 2019 verabschiedete die UN-Generalversammlung eine Resolution, die den 22. August zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer von Gewalthandlungen aufgrund der Religion oder des Glaubens erklärte. Der Vorschlag war von Polen eingebracht und von den Vereinigten Staaten, Kanada, Brasilien, Ägypten, Irak, Jordanien, Nigeria und Pakistan unterstützt worden. Mit der Resolution gingen eine klare Botschaft und ein Mandat (und künftig jeden 22. August eine Erinnerung daran) einher: Die Vereinten Nationen, ihre Mitgliedsstaaten und die Zivilgesellschaft können und werden Gewalt aus Gründen der Religion nicht tolerieren.

Neben der UN-Resolution vom 28. Mai 2019 und dem „Globalen Aufruf zum Schutz der Religionsfreiheit“ vom 23. September 2019 – die erste UN-Veranstaltung zur Religionsfreiheit, die von einem US-Präsidenten ausgerichtet wurde – gab es eine Reihe weiterer Initiativen auf staatlicher Ebene. Dazu zählen die von den USA initiierte Internationale Allianz für Religionsfreiheit, die Einrichtung eines Staatssekretariats für Christenverfolgung in Ungarn und – vielleicht am bemerkenswertesten – eine wachsende Zahl von Ländern, in denen das Amt eines Botschafters für Religions- und Glaubensfreiheit eingerichtet oder reaktiviert wurde, z. B. in Dänemark, den Niederlanden, den USA, Norwegen, Finnland, Polen, Deutschland und in Großbritannien

Ein Bemühen um den Schutz derjenigen, die aufgrund ihrer Religion Gewalt erfahren, impliziert auch eine Anerkennung der Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht sowie eine Akzeptanz der soziologischen Realität der Religion in der Gesellschaft und ihrer positiven Rolle in den Kulturen. Wie Papst Benedikt XVI. einmal im Zusammenhang mit christenfeindlicher Gewalt im Irak anmerkte: „Das Recht auf Religionsfreiheit ist in der Würde des Menschen selbst verankert, dessen transzendente Natur nicht ignoriert oder vernachlässigt werden darf.“[2]

Bedauerlicherweise ist die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf Gewalt aus Gründen der Religion und religiöse Verfolgung im Allgemeinen trotz der – obgleich wichtigen – Erklärungen der Vereinten Nationen und der Einrichtung von Botschafterstellen für die Religionsfreiheit bislang als „zu wenig und zu spät“ einzustufen. Obwohl es unmöglich ist, genaue Zahlen zu ermitteln, deuten unsere Recherchen darauf hin, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung in Ländern leben, in denen Verletzungen der Religionsfreiheit in der einen oder anderen Form auftreten, wobei Christen die am meisten verfolgte Gemeinschaft sind. Überrascht uns dies? Nein, denn es handelt sich um eine Entwicklung, die sich im Laufe der Jahrhunderte von den Wurzeln der Intoleranz über die Diskriminierung bis hin zur Verfolgung ausgewachsen hat.

Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ ist das wichtigste Forschungsprojekt von Kirche in Not (KIN) und hat sich im Laufe der Jahre erheblich weiterentwickelt – von einer kleinen Broschüre zu einer rund 800 Seiten starken Publikation, die von einem weltweiten Team erstellt wird. Diese Entwicklung ist der Tatsache geschuldet, dass Diskriminierung und Verfolgung aufgrund religiöser Überzeugungen heutzutage wachsende globale Phänomene sind. Inmitten der gewalttätigen Konflikte – sei es in Syrien, im Jemen, in Nigeria, in der Zentralafrikanischen Republik oder in Mosambik, um nur einige Beispiele zu nennen – gibt es diejenigen, die im Schatten agieren und Religion für ihr Streben nach Macht instrumentalisieren, indem sie die tiefsten Überzeugungen der Menschheit manipulieren.

Unser Engagement für dieses Thema spiegelt unseren Auftrag wider. So ist dieser Bericht nicht nur ein Mittel, mit dem wir unseren Dienst an der leidenden Kirche besser zu erfüllen hoffen, sondern er dient auch dazu, unseren Projektpartnern eine Stimme zu geben – jenen, die auf tragische Weise die Konsequenzen der Verfolgung zu spüren bekommen. Dies ist das 22. Jahr, in dem unser Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ erscheint, seit unser italienisches Büro ihn 1999 erstmals herausgab. Bedauerlicherweise wird es nicht das letzte Jahr gewesen sein.

QUELLEN

[1] “Meeting for Religious Liberty, Address of the Holy Father”, 26th September 2015;

http://www.vatican.va/content/francesco/en/speeches/2015/september/documents/papa-francesco_20150926_usa-liberta-religiosa.html

[2] “Religious Freedom, the Path to Peace”, Message of His Holiness Pope Benedict XVI for the Celebration of The World Day Of Peace, 1st January 2011; http://www.vatican.va/content/benedict-xvi/en/messages/peace/documents/hf_ben-xvi_mes_20101208_xliv-world-day-peace.html