{"id":138760,"date":"2020-06-24T09:49:45","date_gmt":"2020-06-24T07:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/acninternational.org\/?p=138760"},"modified":"2020-06-24T09:57:58","modified_gmt":"2020-06-24T07:57:58","slug":"nowosibirsk-schwester-kommen-sie-bald-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/acninternational.org\/de\/nowosibirsk-schwester-kommen-sie-bald-wieder\/","title":{"rendered":"Nowosibirsk: \u201eSchwester, kommen Sie bald wieder\u201c."},"content":{"rendered":"<p>Erkrankt sind die Wenigsten; vom Lockdown und den wirtschaftlichen Folgen aber sind alle betroffen, die in der westsibirischen Millionenstadt Nowosibirsk leben \u2013 vor allem nat\u00fcrlich die, die schon vorher zu den Marginalisierten der Gesellschaft geh\u00f6rten: Arme, Arbeitslose, alte Menschen, Kinder aus sozialschwachen Familien. Dies sind diejenigen, die jetzt ganz besonders im Fokus der Ordensschwestern der r\u00f6misch-katholischen Di\u00f6zese der Verkl\u00e4rung in Nowosibirsk stehen. Sie berichten dem Hilfswerk Aid to the Church in Need \u00fcber ihre Herausforderungen in Zeiten der Pandemie.<\/p>\n<p>Den ersten best\u00e4tigten Fall von Covid-19 hat Russland bereits am 20. Januar des Jahres verzeichnet. Etwas \u00fcber eine halbe Million Erkrankungen, 7478 Todesf\u00e4lle und eine vermutlich um Etliches h\u00f6here Dunkelziffer (Stand 17. Juni) sind seither registriert und haben das Land in den Lockdown gef\u00fchrt, der erst langsam wieder gelockert wird. Zentrum der Krise ist Moskau, aber auch in Sibirien breitet sich die Krankheit aus, wenn auch in geringerem Ausma\u00df. Allein im Stadtgebiet von Nowosibirsk wurden 4604 Coronaf\u00e4lle gemeldet, 62 Menschen starben.<\/p>\n<p>Auch ohne die Pandemie ist die Arbeit dieser Schwestern eine Herkulesaufgabe. Die deutschst\u00e4mmige Vinzentinerin Schwester Theresa Witschling fasst es so: \u201eRussland \u2013 Sibirien; das ist ein Land, das die Menschen \u201aein Haus ohne Dach\u2018 nennen. Ein Land, das in seiner Geschichte ungez\u00e4hlte Verbannte und Zwangsumgesiedelte aufgenommen hat. Viele von ihnen sind den M\u00e4rtyrertod gestorben. Sie starben an Hunger, unmenschlicher Fronarbeit, K\u00e4lte. Der lange kalte Winter und die kurzen hei\u00dfen Sommer machen sofort klar: Hier lebt es sich schwer.\u201c<\/p>\n<p>Etwa eine Million Menschen mit katholischen, meist ukrainischen, polnischen oder deutschen, Wurzeln leben in der Di\u00f6zese der Verkl\u00e4rung in Westsibirien \u2013 auf einer Fl\u00e4che von 2 Millionen Quadratkilometern. Um die 40 Priester betreuen 70 Gemeinden. Riesige Entfernungen m\u00fcssen sie dabei zur\u00fccklegen. Ohne die Hilfe von Ordensfrauen w\u00e4re die pastorale Betreuung der verstreut lebenden Gl\u00e4ubigen gar nicht denkbar.<\/p>\n<p>Deshalb ist Schwester Theresa 2015 zusammen mit zwei Mitschwestern trotz der unwirtlichen Bedingungen nach Sibirien gekommen. Seither betreuen die Vinzentinerinnen in Slawgorod, s\u00fcdwestlich von Nowosibirsk, ein staatliches und ein kirchliches Kinderzentrum. \u201eDie meisten der Kinder hier kommen aus schwierigen, sozialschwachen Familien, in denen es an elterlicher F\u00fcrsorge fehlt. Gleich ob beide Eltern den ganzen Tag f\u00fcr wenig Lohn arbeiten, oder ob ein Elternteil monatelang im Ausland arbeitet, um das \u00dcberleben der Familie zu sichern, immer bleiben die Kinder viel zu h\u00e4ufig sich selbst \u00fcberlassen.\u201c Die Schwestern machen mit ihnen Hausaufgaben, bieten verschiedene kulturelle Projekte an und sorgen sie daf\u00fcr, dass hundert Kindern ein Schulmittagessen bezahlt wird, h\u00e4ufig die einzige warme Mahlzeit des Tages ein. Dar\u00fcber hinaus zweimal j\u00e4hrlich \u2013 im Sommer und im Winter \u2013 laden sie die Kinder zu \u201eFerien mit Gott\u201c.<\/p>\n<p>Mit der Pandemie hat sich all das ge\u00e4ndert. \u201eUnsere T\u00e4tigkeit hier ist jetzt komplizierter geworden. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren oder zumindest das Gehalt gek\u00fcrzt bekommen. Sie klopfen bei uns an und bitten um Hilfe, wenigstens ein St\u00fcck Brot f\u00fcr die Kinder.\u201c<\/p>\n<p>Die Schwestern haben begonnen, Masken zu n\u00e4hen, da wie \u00fcberall in der Region nicht gen\u00fcgend Schutzmasken zur Verf\u00fcgung stehen, und verteilen sie an ihre Sch\u00fctzlinge. Vor allem die Obdachlosen der Stadt lieben die Schwestern. \u201eAll diese Menschen haben ihre schmerzhaften Erinnerungen und seelischen Verletzungen. Sie kommen nicht nur wegen materieller Hilfe zu uns. Sie sind einfach dankbar f\u00fcr ein bisschen Herzlichkeit und W\u00e4rme.\u201c Es ist aber nicht nur das, was Menschen Trost und Hoffnung gibt: \u201eWir danken Gott daf\u00fcr, dass wir jeden Tag die M\u00f6glichkeit haben die Eucharistie zu feiern. Als Antwort auf die Pandemie halten wir t\u00e4glich Anbetung. An deren Ende geht der Priester mit der Monstranz auf die Stra\u00dfe und segnet mit den Heiligen Gaben Gemeinde und Stadt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_138753\" aria-describedby=\"caption-attachment-138753\" style=\"width: 670px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-138753 size-full\" src=\"https:\/\/media.acninternational.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Russia2.jpg\" alt=\"Ordensfrauen in Russland an der Seite der Marginalisierten in der Coronakrise.\" width=\"670\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/media.acninternational.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Russia2.jpg 670w, https:\/\/media.acninternational.org\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Russia2-300x179.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 670px) 100vw, 670px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-138753\" class=\"wp-caption-text\">Ordensfrauen in Russland an der Seite der Marginalisierten in der Coronakrise.<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Entfernungen \u00fcberwinden<\/strong><\/p>\n<p>In Surgut, 1000 Kilometer Luftlinie n\u00f6rdlich von Nowosibirsk, sind zwei polnische Engelsschwestern leibhaftige Engel f\u00fcr die 140 Obdachlosen in einem Heim zur sozialen Rehabilitierung sind. Sie organisieren Kleider- und Lebensmittelsammlungen in der Pfarrei. Das ist gerade jetzt in der schwierigen Zeit \u00fcberlebenswichtig.<\/p>\n<p>Die Gemeinschaft kam 2011 zum ersten Mal nach Surgut, seit 2015 sind sie st\u00e4ndig hier, um die Pastoralarbeit in der St. Josefsgemeinde zu unterst\u00fctzen. Nur hier gibt es eine \u201crichtige\u201d Kirche. Dank der Initiative und der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit einiger Gl\u00e4ubiger konnten aber auch in Nojabrsk, 320 Kilometer von Surgut entfernt, und im 190 Kilometer entfernten Kogalym Kapellen in Privath\u00e4usern eingerichtet werden. Hierher fahren die Schwestern in Begleitung eines Priesters regelm\u00e4\u00dfig alle zwei Wochen \u2013 in normalen Zeiten. \u201eWichtig ist die pers\u00f6nliche Beziehung zu den Gl\u00e4ubigen,\u201c stellt Schwester Tereza Jakubowska fest und tr\u00e4umt von weiteren Kapellen \u00fcberall da, wo in der Region Katholiken wohnen. Wichtiger denn je, und umso schmerzlicher vermisst, wird daher die M\u00f6glichkeit an Gottesdiensten teilzunehmen. Deshalb \u00fcbertragen die Engelsschwestern in Surgut wie viele andere Gemeinden auch t\u00e4glich live die Heilige Messe und senden einen geistlichen Impuls f\u00fcr den Tag. \u201eSo bleiben wir in Kontakt.\u201c<\/p>\n<p>Das versucht auch Schwester Aljona Alakschowa aus der Bethanien-Gemeinschaft, die in Ischim seit 20 Jahren mit einer Mitschwester ihren Dienst in der Pfarrei der G\u00f6ttlichen Barmherzigkeit versieht. \u201eKatholiken gibt es hier wenige, und die leben verstreut in den D\u00f6rfern der Umgebung. Wenn sie mit dem Bus zu den Sonn- und Feiertagsgottesdiensten kommen, dann nehmen sie lange Wartezeiten in Kauf, bis sie am sp\u00e4ten Nachmittag wieder zur\u00fcckfahren k\u00f6nnen. Diese Wartezeit verk\u00fcrzen wir ihnen, indem wir sie bei uns bewirten und mit ihnen sprechen. Es gibt keine bessere M\u00f6glichkeit, die Menschen der Gemeinde kennenzulernen\u201c, bekr\u00e4ftigt Schwester Aljona. \u201cIn Zeiten des Coronavirus ist alles schwierig geworden. Die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel fahren noch seltener, private Sammeltaxis kommen unregelm\u00e4\u00dfig und halten sich selten an den Fahrplan. So ist es f\u00fcr uns schwer geworden, Kranke zu besuchen, alleinstehenden, alten Menschen Eink\u00e4ufe und Medikamente vorbeizubringen.\u201d Die Gottesdienste m\u00fcssen nun ohne Gl\u00e4ubige stattfinden. Aber Not macht erfinderisch: Die Schwestern haben jetzt eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet, die die Gemeinde vernetzt und auf dem Laufenden h\u00e4lt. So werden auch die Links zu Livestream-Gottesdiensten verbreitet.<\/p>\n<p>Mit den Schwierigkeiten im Lockdown k\u00e4mpfen alle Schwesterngemeinschaften des Bistums. Die Elisabethschwestern in Nowosibirsk vermissen die Besuche bei den Gemeindemitgliedern: \u201eDurch unsere regelm\u00e4\u00dfigen Besuche waren wir zu Freunden geworden. Oft sagten sie uns beim Abschied: \u201aVerlassen Sie mich nicht, Schwester. Kommen Sie bitte wieder!\u2018.\u201c Da hilft das gute alte Telefon. Damit halten auch die Elisabethschwestern in Nowosibirsk Kontakt mit all denen, die noch nicht im weltweiten Netz zuhause sind. Vor allem mit den \u00e4lteren Menschen, die unter der Selbstisolierung (social distancing) besonders leiden.<\/p>\n<p>Wie die meisten Kongregationen haben auch die Dienerinnen des Herrn und der Jungfrau von Matara in Omsk ihre p\u00e4dagogische T\u00e4tigkeit ganz in die virtuelle Welt verlegt. Sie unterrichten Katechese per Videokonferenz, drehen mit einigen Jugendlichen sogar aufmunternde kleine Videos und entwickeln auf der Ebene ihrer Ordensprovinz eine rege Unterrichtst\u00e4tigkeit, die weit \u00fcber den Kreis Omsk hinausgeht. \u201eDamit wollen wir die Jugendlichen auch in Coronazeiten dazu anregen \u00fcber Gottes Wort nachzudenken. Wir beten, dass sogar diese nach menschlichem Ermessen schlimme Zeit, uns und alle Menschen dazu bringt, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe zu Gott und dem N\u00e4chsten zu wachsen,\u201c erl\u00e4utert Mutter Maria Glum.<\/p>\n<p><strong>Gebet: das st\u00e4rkste Heilmittel<\/strong><\/p>\n<p>Die Karmelitinnen in Nowosibirsk, die einzige kontemplative Gemeinschaft der Di\u00f6zese, setzen der Pandemie das St\u00e4rkste entgegen, das wir als Christen haben \u2013 das Gebet. Die Schwestern Teresamaria, Christina und Agnija schreiben: \u201eWir beten um die Heilung der Erkrankten, Trost f\u00fcr die Leidenden, Hilfe f\u00fcr das medizinische Personal und Schutz vor Ansteckung f\u00fcr die vulnerabelsten Personengruppen. Wir schlie\u00dfen in unsere Gebete auch die Wissenschaftler ein, die an der Entwicklung von Medikamenten und einem Impfstoff gegen das Virus arbeiten und vergessen nicht die Regierenden, die weitreichende sozio-\u00f6konomische Probleme l\u00f6sen m\u00fcssen. Mit Dankbarkeit f\u00fcr die Hilfe, die wir von Ihnen empfangen, bringen wir dem Herrn unser Gebet immer auch f\u00fcr ACN und seine Wohlt\u00e4ter dar.\u201c<\/p>\n<p>ACN-International f\u00f6rdert alle 68 Schwestern an 18 Orten der Di\u00f6zese der Verkl\u00e4rung in Nowosibirsk. F\u00fcr die Schwestern w\u00e4re es nicht nur eine Entt\u00e4uschung, sondern eine Katastrophe\u201c, wenn diese Hilfe ausbliebe, best\u00e4tigt der Ortsbischof Msgr. Joseph Werth \u2013 das gilt umso mehr in dieser Krise, wo auch die Kollekten in den Gemeinden ausbleiben.<\/p>\n<p>Ebenso unterst\u00fctzt ACN seit vielen Jahrzehnten die Schwesterngemeinschaften der anderen drei r\u00f6misch-katholischen Bist\u00fcmer Russlands in Moskau, Irkutsk und Saratow mit Ausbildungs- und Existenzhilfe, beim Bau und der Renovierung von Schwesternh\u00e4usern und bei der Beschaffung von Transportmitteln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkrankt sind die Wenigsten; vom Lockdown und den wirtschaftlichen Folgen aber sind alle betroffen, die in der westsibirischen Millionenstadt Nowosibirsk<\/p>\n","protected":false},"author":4258341447,"featured_media":138747,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_acn_coauthor_ids":[],"_acn_featured_article":false,"footnotes":""},"categories":[234],"tags":[],"country":[829],"class_list":["post-138760","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","country-russland"],"acn_coauthors":[],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.5 (Yoast SEO v27.5) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Nowosibirsk: \u201eSchwester, kommen Sie bald wieder\u201c.<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Erkrankt sind die Wenigsten; vom Lockdown und den wirtschaftlichen Folgen aber sind alle betroffen, die in der westsibirischen Millionenstadt Nowosibirsk leben \u2013 vor allem nat\u00fcrlich die, die schon vorher zu den Marginalisierten der Gesellschaft geh\u00f6rten: Arme, Arbeitslose, alte Menschen, Kinder aus sozialschwachen Familien. 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