Syrien in 2018

Anzahl Projekte 2018
J
233
Project
applications
K
185
Funded
projects
Art der Projekte 2018
Projektreferent

Nach 8 Jahren Krieg liegt Syrien im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. In dem Land steht kaum noch ein Stein auf dem anderen. Nicht besser sieht es in den Seelen der Menschen aus. Hunderttausende Tote, Millionen Flüchtlinge und unzählige oft schwer traumatisierte Menschen sind der Tribut, den die unfassbare Gewalt des Krieges gefordert hat. Die Bevölkerung steht vor der „Stunde Null“. Das Überleben der Menschen hängt weitgehend von der Unterstützung ausländischer Hilfsorganisationen ab. ACN leistete in Syrien auch 2018 wieder Hilfe in Millionenhöhe, insbesondere in Regionen, wo viele Christen leben.

Lebten vor dem Krieg noch mehr als 1,5 Millionen Christen in Syrien, ist ihre Zahl nach dem Krieg auf rund 500.000 Gläubige geschrumpft. Der bescheidene Wohlstand, den sich viele von ihnen vor dem Krieg aufgebaut hatten, ist dahin. Für die meisten geht es ums Überleben. Unsere Hilfe erfolgt in enger Absprache mit den kirchlichen Entscheidern vor Ort. Denn die Bischöfe und Priester sowie die Diakone und Schwestern in den Pfarreien wissen am besten, welche Familien am dringendsten welcher Hilfe bedürfen. Mal ist es Milch, mal ein Mietzuschuss, mal Medikamente oder Kleidung.

A displaced family from Aleppo, which has been living for nearly three years under difficult conditions in Tartus, a city on the Syrian coast.
Eine vertriebene Familie aus Aleppo, die seit fast drei Jahren unter schwie- rigen Bedingungen in Tartus, einem Ort an der syrischen Küste, lebt.

PerDer maronitische Erzbischof von Damaskus, Samir Nassar, beschreibt die Lage vielleicht am besten: „Das Volk in Syrien sucht nicht mehr die Freiheit. Es sucht das tägliche Brot, es sucht Wasser, Gas zum Kochen, ein paar Liter Treibstoff. Hinzu kommt die Suche nach dem verlorenen Bruder, der Schwester, den Eltern  und Freunden – ein stilles Unterfangen, voll Angst und Hoffnung. In einem Land in Trümmern einen Schutzraum für die Familie zu finden, erscheint aussichtslos, ein Traum.“

» Die größten Trümmer liegen in den Seelen der Menschen. «

Humanitäre Hilfe, Förderung der Bildung und Wiederaufbauhilfe standen auch 2018 wieder ganz oben auf unserer Agenda für Syrien. Die Hilfe ging zum größten Teil nach Aleppo, Homs, Damaskus, in die Dörfer im „Tal der Christen“ und nach Tartus, denn dort leben die meisten Christen.

The father of the martyr Makar Makar visits the grave of the martyr Krikor Ashnagelian at the Syrian-Armenian cemetery in Aleppo.
Der Vater des Märtyrers Makar Makar besucht das Grab des Märtyrers Krikor Ashnagelian auf dem syrisch-armenischen Friedhof in Aleppo.

Einige Beispiele verdeutlichen, wie groß die Not im Land noch ist. So wurden mit unserer Unterstützung Lebensmittelpakete für 3.000 Familien verteilt. Humanitäre Hilfe leisteten wir auch bei einem breit angelegten “Milchprogramm”, das für 800 Familien mit Kindern auf den Weg gebracht wurde. Unter dem Motto „Der gute Samariter“ konnte mit unserer Hilfe auch eine Initiative zur Behandlung von Kriegstraumata geschaffen werden. Um die Berufschancen junger Christen zu verbessern, förderten wir Stipendien für 12.000 Schüler und Studenten.

» Wir fokussieren unsere Hilfe auf die Gebiete, in denen die meisten Christen leben. «

Aber auch der Wiederaufbau hat weiterhin Priorität – so wurden 2018 mithilfe von ACN 200 Häuser und Wohnungen renoviert, die den Christen wieder Schutz und Geborgenheit in ihrer Heimat geben. Die Instandsetzung von weiteren 500 Wohneinheiten wird dieses Jahr folgen.

Nothilfe für syrische Flüchtlinge im Libanon

Viele syrische Christen sind aus Angst vor Verfolgung und Gewalt zu Verwandten in den Libanon geflüchtet. Aber für die meisten ist es nur eine provisorische Existenz. Die große Mehrheit von ihnen will so schnell wie möglich zurück in ihre Heimat, von ihrer Hände Arbeit leben und beim Wiederaufbau ihres Landes anpacken. Diese Gläubigen liegen uns besonders am Herzen. 2018 gingen deshalb mit rund 967.000 Euro
allein 59 Prozent unseres Budgets für Syrien als Nothilfe an die Flüchtlinge im Libanon.

Wir sehen unsere Nothilfe auch als Investition in den Wiederaufbau der christlichen Gemeinde in Syrien. Denn jeder heimgekehrte Christ stärkt die Einheit und Vielfalt der Kirche in Syrien. Und diese Einheit hilft letztlich dem ganzen Volk, wieder zu neuem Selbstbewusstsein und mehr Zuversicht zu gelangen.

Sister Samia of the Sisters of the Sacred Hearts of Jesus and Mary in Homs playing football with one of the children of “Le Sénevé”, a centre that cares for 80 children with disabilities or autism..
Schwester Samia von den Schwestern von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens in Homs beim Fußballspielen mit einem der Kinder von „Lé Senevé“, einem Zentrum zur Betreuung von 80 Kindern mit Behinderungen oder Autismus.