Die meisten Katholiken von Bangladesch gehören Stämmen an, die um die Anerkennung ihrer Rechte kämpfen

Bangladesch bereitet sich auf den Besuch von Papst Franziskus vom 30. November bis zum 2. Dezember vor. Die Republik am Golf von Bengalen gehört zu den Ländern mit der höchsten Bevölkerungsdichte. Sie ist nach Indonesien und Pakistan das nach der Einwohnerzahl drittgrößte muslimische Land der Welt. Seinem eigenen Wunsch folgend, „an die Ränder der Gesellschaft zu gehen“, besucht der Heilige Vater die kleine christliche Gemeinde. Christen machen weniger als ein Prozent der Landesbevölkerung aus. Das Motto des Papstbesuchs lautet: „Harmonie und Friede“ – eine wichtige Botschaft für Christen, deren Leben als Minderheit nicht einfach ist.

Die meisten Katholiken in Bangladesch gehören zu den indigenen Stämmen. „Vor dem Gesetz und laut der Verfassung haben sie dieselben Rechte wie alle anderen Bürger des Landes. Was auf dem Papier steht, unterscheidet sich jedoch von der Realität. Denn im täglichen Leben werden sie diskriminiert. Sie haben nicht dieselben Chancen in der Bildung oder im Arbeitsleben“, erklärt Bischof Bejoy Nicephorus D’Cruze von Sylhet im Gespräch mit dem päpstlichen Hilfswerk Aid to the Church in Need (ACN). Sie besitzen Rechte „nicht automatisch. Sie müssen um sie kämpfen. Manchmal schaffen sie es. Für denjenigen, der als Individuum allein handelt, ist dies sehr anstrengend. Er muss sich mit religiösen Empfindungen und mit der Korruption auseinandersetzen.“

Im Bistum Sylhet leben die Khasi. So gut wie alle von ihnen sind Christen. Dieser Stamm bewohnt seit Jahrhunderten mehr als hundert Dörfer in den Hügeln der Region Sylhet. Sie bewahren den Wald und die Natur, und leben vom traditionellen Betelpalme-Anbau. Sie bearbeiten eine bestimmte Fläche 30 bis 40 Jahre lang. Wenn die Erde erschöpft ist, ziehen sie weiter. Der Grund und Boden ist seit Urzeiten ihr Eigentum, was die Verfassung jedoch nicht anerkennt. Pater Joseph Gomes OMI betreut die katholische Gemeinde Kashi. Er bestätigt, dass die Einwohner des Berglandes diskriminiert werden. Sie haben keinen Zugang zur Sozialversicherung. Häufig werden sie in einen ständigen Kampf um ihre Ländereien verstrickt. Zum Ursprung des Konfliktes führt Bischof D’Cruze aus: „Diese Berglandschaft untersteht dem Forstministerium oder der für die Teeplantagen zuständigen Abteilung. Die Teegesellschaften mieten das Land, wobei sie die Existenz der Khasi ignorieren. Die Teegesellschaften versuchen, die bestehenden Plantagen auszuweiten. Die dort lebenden Menschen werden gezwungen, ihr Land zu verlassen.“

Manchmal wenden die Unternehmen Gewalt an. Die Erinnerung daran stimmt Pater Joseph Gomes traurig: „Vor etwa drei Jahren kam der Geschäftsführer einer Plantage mit ca. 200 Personen hierher. Sie begannen, die Dorfhäuser abzureißen, während die Männer draußen im Wald arbeiteten. Zunächst haben die Frauen Widerstand geleistet. Als die Männer zurückkamen, haben sie ebenfalls Widerstand geleistet und gekämpft. Ein Mitarbeiter der Teegesellschaft starb im Krankenhaus. Die Einwohner konnten jedoch nicht gegen die Teegesellschaften weiterkämpfen. Deshalb verloren sie ihr Land.“

In mehreren Konflikten mit dem Forstministerium verschwanden mehr als 25 Khasi-Dörfer. Zurzeit sind weitere Siedlungen bedroht, so zwei Dörfer mit 150 Familien im Moulvibazar-Distrikt, der gegen die Teegesellschaften Nahar und Jhimai einen Rechtsstreit führt. Diese wollen die Menschen dazu zwingen, ihre Dörfer zu verlassen, beklagt Bischof Cruze.

Die Diözese Sylhet bemüht sich darum, die katholische Minderheit vor diesen Herausforderungen geistlich und moralisch zu unterstützen. Sie hat verschiedene unterstützende Maßnahmen ins Leben gerufen, beispielsweise eine Wochenzeitschrift. „Weekly Pratibeshi“ hilft den Katholiken dazu, im Glauben zu wachsen, und sich ihrer Rechte bewusster zu werden. Der Journalist Pater Anthony Sen weist auf ihre Notwendigkeit hin: „Sie werden von mächtigen Menschen in ihrer Umgebung, besonders von Muslimen, unter unendlichen Druck gesetzt. Denn diese Menschen denken, weil es sich um eine Minderheit handelt, können sie mit ihnen tun, was sie wollen. Sogar ihre Töchter entführen, oder die Menschen angreifen, ganz gleich ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Deshalb leben die katholischen Minderheiten immer unter diesem Druck. Als Kirche stehen wir immer an ihrer Seite, um sie zu beschützen. Wir kümmern uns um sie.“

Diese Haltung bringt es manchmal mit sich, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. So erhielt Bischof Bejoy Nicephorus D’Cruze Morddrohungen von fundamentalistischen islamischen Gruppierungen wegen seiner deutlichen Einstellung in der Verteidigung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit.

Auch diese leidende und schweigende katholische Minderheit in Bangladesch ist es, die der Heilige Vater besuchen wird. Der Bischof von Sylhet bestätigt, „dass der Heilige Vater die Lage der Kirche und der Katholiken in Bangladesch kennt“. Über die Erwartungen der Kashi-Minderheit an den Papstbesuch sagte Bischof Cruz: „Ich glaube nicht, dass sie große Erwartungen hegen. Sie sind einfache Menschen. Sie werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Heiligen Vater zu sehen und um seinen Segen zu erhalten. Aus der Begegnung und des Erlebnisses werden sie die Kraft bekommen, um weiter ums Überleben zu kämpfen. Sie werden Mut und Tapferkeit erhalten, um gegen alle ‚Monster’ kämpfen zu können.“

Papst-Spende aus der Lamborghini-Versteigerung spricht irakischen Christen Mut zu

«Die Geste des Heiligen Vaters hat die irakischen Christen zutiefst gerührt,» sagte der Chaldäische Patriarch von Babylon Raphael Louis I Sako zu Aid to the Church in Need (ACN). Papst Franziskus hatte zuvor einen Teil des Erlöses aus der Versteigerung  des Lamborghini-Sondermodells Huracan unter anderem diesem Päpstlichen Hilfswerk versprochen. Der Pontifex hatte vor kurzem den Sportwagen als Geschenk erhalten. Franziskus will mit dem Erlös aus der Auktion auch das ACN-Rückkehrprojekt  der Christen in die nordirakische Ninive-Ebene unterstützen.

«Mittlerweile bin ich an die Überraschungen von Franziskus gewöhnt», fügte der Patriarch hinzu: Diese Geste verkörpere „gänzlich die christliche Nächstenliebe mit konkreten Taten». Die Meldung darüber sei durch die irakischen Medien weit verbreitet und vor allem von der christlichen Gemeinschaft achtsam verfolgt worden. «Es ist nicht das erste Mal, dass der Papst uns durch solche Aktionen seine Nähe zeigt. Er hat noch nicht zu uns kommen können, doch manchmal ist die menschliche und geistliche Gegenwart wichtiger als die physische.»

Die Nachricht über diese neuerliche Unterstützung aus Rom kommt in einem  für die Ninive-Ebene delikaten Moment. Nach dem kurdischen Unabhängigkeitsreferendum hatten sich die Spannungen vor Ort verstärkt. «Jetzt ist die Lage ruhig und es besteht der Wille zum Dialog. Doch der Irak benötigt mehr. Eine Trennung zwischen Staat und Religion ist nötig und ein neues Konzept der Staatsangehörigkeit, das jedem Iraker unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit die gleiche Würde zugesteht. »

In der Zwischenzeit ermuntert das ACN-Projekt, irakische Vertriebene weiter in ihre christlichen Dörfer in die  Ninive-Ebene zurückzukehren: «Wir wollen den christlichen Glauben in diesem Land bezeugen. Unsere Präsenz ist wesentlich für die Gläubigen aller Religionen.  Denn das Christentum stellt ein Element der Offenheit dar, das fähig ist, der Gewalt entgegenzuwirken.“ Wesentlich im Christentum ist der Gedanke, auch Feinden und Verfolgern zu vergeben und sich für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen. Dafür bat der Patriarch auch weiter um Unterstützung in Wort, Tat und im gemeinsamen Gebet.

„Aid to the Church in Need“ und das Ninive-Wiederaufbaukomitee (NRC) führen einen Wettlauf gegen die Zeit, um vor dem Beginn des neuen Schuljahres möglichst viele syrisch-katholische Familien in ihre Häuser zurückkehren zu lassen. Rund 600 Familien sind schon in die Stadt in der Ninive-Ebene zurückgekehrt. Der Priester Georges Jahola, der beim NRC für das syrisch-katholische Team verantwortlich ist, sagt: „In zehn Jahren wird die Stadt wieder so bevölkert sein wie vor dem IS“.

Die Stadt Baghdeda (auf Türkisch Karakosch) in der Ninive-Ebene führt einen Wettlauf gegen die Zeit und für das Leben. Im September werden die Schulen wieder eröffnet. Die syrisch-katholischen Familien, die vor drei Jahren die Stadt verlassen haben, um vor den Angriffen des sogenannten Islamischen Staates (IS) zu fliehen, und die die letzten drei Jahre als Binnenflüchtlinge in Kurdistan verbracht haben, möchten rechtzeitig zum Schuljahresbeginn ihrer Kinder nach Hause zurückkehren.

„Die Schulen von Baghdeda sind von internationalen Organisationen wie der UNO wieder instandgesetzt worden“, erklärt der Priester Georges Jahola, der das für das syrisch-katholische Team verantwortliche Mitglied des NRC ist und der mit dem Wiederaufbau der Stadt betraut ist. „Leider sind die Häuser der christlichen Familien, die zurückkehren möchten, noch nicht wiederhergestellt worden“, fährt der syrisch-katholische Priester fort. „Vor dem IS lebten in Baghdeda circa 5.000 syrisch-katholische Familien. Davon haben ungefähr 60 Prozent Kinder, die zur Schule gehen. Wenn ihre Häuser bis September nicht fertig sein sollten, könnten diese Familien beschließen, anderswo hinzugehen, und dieses Mal dann für immer. Wenn wir es hingegen schaffen, bin ich sicher, dass Baghdeda in zehn Jahren, unter Abzug der Familien, die nicht mehr zurückkehren werden, wieder bevölkert sein wird und dort wieder so viele Christen leben werden wie vor dem IS.

In dieser Stadt haben zweieinhalb Jahre der Besetzung durch Tausende IS-Kämpfer, die, so vermutet Pater Jahola, „wahrscheinlich genau dort ihren Stützpunkt hatten“, 6.327 Gebäude hinterlassen, die der Wiederherstellung bedürfen. Die Terroristen übergaben den Flammen 2.269 Häuser, beschädigten 3.950 und bombardieren 108.

“Aid to the Church in Need” (ACN) und andere Organisationen sind dabei, die ersten Häuser instand zu setzen und beginnen dabei mit denjenigen, die weniger stark beschädigt sind.

ACN hat schon 47 Häuser im Sektor “E” der Stadt wiederaufgebaut. „Die Familien nehmen dieses Signal der Hoffnung auf und fangen an, zurückzukehren“, kommentiert Pater Jahola. „Es sind schon 600 Familien nach Baghdeda zurückgekehrt. Dann haben wir noch ungefähr 120 Arbeiter, die schon hergezogen sind, um hier zu arbeiten, während ihre Familien noch in Erbil darauf warten, sich ihnen anzuschließen. Vor allem die Kinder sind sehr froh, wieder nach Hause zurückzukehren.“

Um das Leben nach Baghdeda zurückzubringen, werden das Stromnetz und die Wasserversorgung wieder in Betrieb genommen. „Der Strom kehrt langsam zurück. Die Regierung in Bagdad hat die alten Stromgeneratoren repariert und 15 neue beschafft, die aber nicht ausrechen. Wir bräuchten in Wirklichkeit weitere 150. Die Terroristen des Islamischen Staates haben das Wassernetz der Stadt beschädigt, und in einigen Stadtvierteln gibt es kein Wasser. Die Stadtverwaltung bräuchte einen Bagger für die Arbeit, den wir aber nicht haben.“

Das schlagende Herz des Wiederaufbaus von Baghdeda ist in der Tat das syrisch-katholische Team, das von Pater Georges Jahola geleitet wird. „Jeden Tag bekommen wir Anrufe von christlichen Familien, die nach Hause zurückkehren wollen. Unsere Ingenieure überprüfen den Zustand ihrer Häuser und nehmen die Schäden auf. Dann kehren sie ins Büro zurück, und wir notieren die Daten, die bei der Begutachtung gesammelt wurden. Immer mehr Familien bitten uns um einen Voranschlag der Kosten der Instandsetzung ihrer Häuser: Aufgrund der vielen Anfragen mussten wir in diesen Tagen sogar zwei neue Ingenieure einstellen.“

Trotz der Schwierigkeiten kehren weitere syrisch-katholische Familien langsam auch nach Bartella, einer Stadt in der Ninive-Ebene mit überwiegend syrisch-orthodoxer Bevölkerung, zurück.

Von den 650 Familien, die vor dem Angriff des IS in Bartella wohnten, sind schon 24 zurückgekehrt. In dieser Stadt, die vom 6. August 2014 bis zum 20. Oktober 2016 besetzt war, hat der IS 69 Häuser, die syrisch-katholischen Familien gehörten, verbrannt, 274 beschädigt und 19 völlig zerstört. Pater Benham Benoka, Mitglied des Ninive-Wiederaufbau-Komitees, ist damit befasst, die Häuser von syrisch-katholischen Familien wiederaufzubauen. Wie in Baghdeda besucht auch hier ein Team von Ingenieuren die Häuser, arbeitet Gutachten über die Schäden aus und stellt die Kosten fest. „Dies ist das Haus von Dhiya Behnam Nuna. Es wurde auf den Ruinen des alten Bartella erbaut“, erklärt Pater Benoka. „Die Terroristen des Islamischen Staates haben die Mauern der Wohnungen durchbrochen, um sich von einem Haus ins andere fortbewegen zu können, ohne von den amerikanischen Hubschraubern gesehen zu werden“, erklärt der Priester, während wir  durch eben diese Löcher in den Wänden von einer Wohnung in die andere gehen.

Über den Fußboden erstreckt sich eine Müllhalde: Heiligenbilder, Kleidungsstücke, Matratzen und Möbelstücke. Es scheint unmöglich zu sein, hierher zurückzukehren, um hier zu leben. Dennoch ist ein Ingenieur schon dabei, die Fensterrahmen zu vermessen. Bald wird Herr Dhiya Behnam Nuna neue Fenster haben.

Die Herausforderungen, vor denen die Christen in der Ninive-Ebene stehen, sind immens. Zur Zeit leben in Erbil noch 14.000 registrierte aus Mossul und der Ninive-Ebene geflüchtete Familien (ca. 90.000 Personen). Fast 13.000 Häuser müssen wiederaufgebaut werden, es besteht die Frage der Sicherheit in den Dörfern, es gibt in dem Gebiet irakisch-kurdische politische Manöver, Probleme mit der Infrastruktur (Wasser, Strom, Schulen, Krankenhäuser) und sehr wichtig auch die Übergangsperiode zwischen dem Ende der monatlichen Mietkosten- und Nahrungsmittelhilfen und dem Umzug dieser Familien in die wiederhergestellten Dörfer. Den jüngsten Umfragen des Ninive-Wiederaufbauausschusses (NRC) nach, aktualisiert am 14. Juli 2017, sind bereits 1228 Familien in die Ninive-Ebene zurückgekehrt und 423 Häuser schon instandgesetzt, von denen 157 mit Finanzbeiträgen von ACN wiederhergestellt wurden.

Aid to the Church in Need (ACN) hat 225 000 € bewilligt, um das Projekt „Drop of Milk“ („Ein Tropfen Milch“) zu unterstützen. Damit wird in Aleppo monatlich 2850 Kindern Milch ausgeteilt. Eine kleine ACN-Delegation war dabei, als kürzlich die Verteilung an die Familien stattfand. Die Teilnehmer berichten, wie dankbar die Menschen sind.

von Josué Villalón, ACN, Aleppo

Mehrere Eltern kommen mit ihren Kindern auf dem Arm in einer Sackgasse in Al-Zizieh, einem Stadtteil in der Innenstadt von Aleppo, zusammen. Sie sind aus den Mietwohnungen dorthin gekommen, wo sie als Kriegsvertriebene leben. Es handelt sich aber nicht um ein improvisiertes Treffen. Sie kommen vielmehr, um ein Grundnahrungsmittel im Empfang zu nehmen, damit das Leben in der Stadt weitergehen kann: Milch für ihre Kinder.

An der Tür eines kleinen Lokals steht Ziad Sahin, der die Austeilung der so nötigen Hilfe koordiniert. „Ich arbeitete in einer multinationalen Firma, die ausgerechnet Milch für Kinder herstellte. Aber ich habe meine Arbeit verloren, weil unsere Fabrik- und Bürogebäude von den Bomben getroffen wurden. Ich helfe den Menschen gerne. Denn ich fühle mich gut, wenn ich etwas für andere tue, besonders für jene, die unter dem Krieg am meisten gelitten haben.“ Er erklärt, er habe diese Aufgabe übernommen, weil er als Vater es ganz wichtig finde, Kindern zu helfen.

Elias ist mit seinem fast zweijährigen Sohn Michel gekommen. Der Kleine wuselt um die Beine seines Vaters herum. Elias versäumt es nie, einmal im Monat hierher zu kommen, um seinen Anteil an Milchpulver in Empfang zu nehmen. „Allen Wohltätern von ACN möchte ich danken. Auf dem Markt ist es sehr schwierig, Milch zu bekommen. Und sie ist sehr teuer. Wenn wir nicht am Projekt ‚Ein Tropfen Milch’ teilnehmen könnten, hätten wir keine Chance, Milch zu bekommen“, sagt der junge Mann mit einem Lächeln. Er versichert, trotz aller Schwierigkeiten nie den Glauben verloren zu haben: „Wir gehen häufig in die Kirche. Ich bitte Gott, dass in unserem Land bald Friede herrscht.“

Neben ihm steht Josef Izza. Auch er gehört zu den 1500 Familien, die jeden Monat Unterstützung erhalten. Seine Tochter Rosemeri lächelt und folgt aufmerksam dem Gespräch. „Wir denken jeden Tag an Gott. Der Glaube ist sehr wichtig für uns. Wir glauben an Gott gerade jetzt. Wir sehen die Hand Gottes in unserem Leben, vor und nach dem Krieg“, sagt Josef. Die Gefechte hörten in der Stadt Aleppo vor sechs Monaten auf. Es gibt zwar keine Raketenangriffe mehr, aber die Folgen des Krieges sind allgegenwärtig.“

Das Projekt „Ein Tropfen Milch“ versorgt alle christlichen Kinder unter 10 Jahren in Aleppo mit Milch. „Die christliche Gemeinde wurde vom Krieg besonders betroffen. Vorher lebten 150 000 Christen in Aleppo. Zurzeit sind wir knapp 35 000“, berichtet Dr. Nabil Antaki, der das Projekt 2015 in Gang brachte. Das päpstliche Hilfswerk Aid to the Church in Need hat die Finanzierung bis Juni 2018 zugesichert. „Dies ist eine sehr großzügige Geste. Wir sind sehr glücklich“, sagt der Facharzt für Gastroenterologie, der in Aleppo geblieben ist, um den Hilfsbedürftigsten zu helfen, obwohl er die kanadische Staatsangehörigkeit besitzt und leicht hätte auswandern können.

Sollte eine Familie den Preis für die Milch selbst bezahlen müssen, müsste sie so gut wie ihre ganzen Einnahmen dafür ausgeben. Eine Dose Milch kostet 3000 syrische Pfund, etwa 5 Euro. Der Betrag ist zwar nicht sehr hoch, aber das Durchschnittseinkommen beträgt 30000 syrische Pfund, etwa 50 Euro. Es ist unmöglich, mit dieser Summe alle Ausgaben zu decken. Ganz zu schweigen davon, dass die meisten Einwohner von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Rana Aftim hat gerade die Milchration für ihren eineinhalbjährigen Sohn Mario abgeholt. „Vielen Dank für Eure Hilfe. Milch ist sehr teuer. Was wir verdienen, reicht nicht einmal für die Miete unserer Wohnung.“ Talia ist die Älteste in der Kindergruppe, die heute hierher gekommen ist. Sie ist sechs Jahre alt. Am liebsten spielt sie mit ihrer Schwester, oder sie malt. Ihr Vater Basil Yousef nimmt in einem Beutel die monatliche Zuteilung mit: „Wir sind sehr froh darüber, diese Hilfe zu erhalten. Sie ist eine Stütze für uns, die wir so sehr gelitten haben. Und nun müssen wir unsere Häuser und unser Leben wiederherstellen.“

Die Not wird größer. Dies ist zwar eine Herausforderungen, aber auch ein Hoffnungszeichen: „Im letzten Monat haben wir 120 neue Kinder verzeichnet. Dies bedeutet, dass die Familien nach Aleppo zurückkehren – in einer solch kurzen Zeitspanne kann es nicht so viele Geburten gegeben haben“, erklärt Dr. Antaki. Wenn die Menschen zurückkehren und Unterstützung erfahren, kann man davon ausgehen, dass für die Christen in Aleppo noch Chancen bestehen. Nabil Antaki sagt, dass Kindern zu helfen, etwas ganz Wichtiges für die Familien und für die dezimierte christliche Gemeinde ist. „Kinder sind die Zukunft. Wir möchten ihnen helfen, damit sie gesund aufwachsen, auch wenn sie durch den Krieg ihre kindliche Unschuld verloren haben.“

„Nach Hause zurückkehren“. „Unsere Erde wieder betreten“. „Die Kirche wiedersehen, die wir selbst gebaut haben“. „Wiederbeginnen“. „Weitermachen“. „Wir können nicht das ganze Leben als Vertriebene leben“. „Ich möchte mein Land nicht verlassen“. „Gott ist mit uns“

Dies sind einige der Gedanken, die den aus der Ninive-Ebene im Irak stammenden Flüchtlingen und Vertriebenen durch den Kopf gehen, die zurzeit in Erbil leben. Sie sehen die Rückkehr in ihre Heimat nach dem Einmarsch der Terrororganisation ISIS immer näher kommen. Ihre Häuser sind zwar größtenteils zerstört oder verbrannt, aber es sind letztendlich ihre Häuser. Das internationale Hilfswerk „Aid to the Church in Need” (ACN) hilft beim Wiederaufbau zahlreicher Häuser, die christlichen Familien gehören. Obwohl sie die Möglichkeit haben, wollen sie nicht in andere Länder auswandern. Sie bestehen darauf, im Irak zu bleiben. So etwa Tawfeek Saqat aus Qaraqosh. Vor der Flucht arbeitete er als Bauer. Darüber hinaus führte er ein kleines Hotel. „Ich bin in diesem Land geboren. Hier habe ich mein ganzes Leben verbracht. Ich will nicht weg. Mein Glaube an Jesus verleiht mir Kraft, hier weiter zu leben. Alles, was ich liebe, befindet sich in Qaraqosh: mein Land, mein Geschäft, mein ganzes Leben. Ich will nicht auswandern, um als Angestellter in Europa oder woanders zu leben“. In einem von ACN produzierten Video mit Zeugnissen erklärt Tawfeek, dass er und seine Familie viele Jahre lang verfolgt wurden. Der erschütterndste Augenblick kam aber, als er zusammen mit seinen vier Kindern von den Terroristen entführt wurde.

Die Beklemmung und die Angst hat auch die junge Studentin Rahma Jacon am eigenen Leib erfahren. Sie erinnert sich daran, was für ein schönes und ruhiges Leben sie vor Jahren führten. „Häufig muss ich weinen, wenn ich daran denke, wie wir lebten. Ich möchte in die Ninive-Ebene zurückkehren, weil dort unsere Heimat ist, unsere Häuser, unsere Kirche“, sagt sie. Sie erzählt, dass sie niemals daran gedacht hatten, dass sich ihr Aufenthalt in Erbil als Vertriebene so sehr in die Länge ziehen würde. „Unser Glaube verleiht uns Kraft, weiter zu machen. Wenn ich schwierige Augenblicke durchmache, bete ich, um mit Gott zusammen zu sein.“

Fr. Thabet Yousif lebte in Karamles, einem christlichen Dorf, das nach dem Durchgang der Terroristen total zerstört wurde. „Wir haben nun drei Arten von Häusern: beschädigte, verbrannte und vollständig zerstörte Häuser“, erzählt er in der ACN-Videoreportage. Für den Wiederaufbau ist viel Geld nötig, aber die Familien haben ihre gesamten Ersparnisse aufgebraucht, um die ganzen Jahre im Kurdistan oder woanders zu leben. „Es ist unsere Heimat, es sind unsere Häuser. Wir können nicht für immer als Vertriebene und Flüchtlinge leben. Wir wollen in unser Dorf zurück. Unsere Identität befindet sich hier, in der Ninive-Ebene.“

 Die Mutter und Großmutter Rahel Ishaq Barber gibt sich einen Klaps auf die Schulter, wenn sie sich daran erinnert, dass sie selbst in Qaraqosh 11 Kirchen und Kapellen gebaut haben: „Ich war noch ein Kind. Wir sangen dabei, als wir auf unseren Schultern Steine für die Kirche trugen. Dort ist unsere Geschichte.“ Rahel teilt sich zurzeit mit acht anderen Menschen ein Zimmer in Erbil. „Es ist nicht leicht gewesen. Gott hat uns sehr geholfen. Wir danken ihm.“

Ein Interview von Jürgen Liminski für Aid to the Church in Need International (ACN) mit Bischof Cyr-Nestor YAPAUPA von der Diözese Alindao in der Zentralafrikanischen Republik über die erneuten Zusammenstöße zwischen den Gruppierungen der Seleka und der Antibalaka, die in der Region noch präsent sind. Die Gewalt brach am 8. Mai als Reaktion auf die Entführung und Ermordung mehrerer junger Leute durch die Seleka in Datoko aus. Infolge des Eingreifens von UN-Truppen hat sich die Situation vorerst beruhigt. Dennoch gibt es noch immer 3.000 Flüchtlinge, die zurzeit in den verschiedenen Zentren der Katholischen Kirche betreut werden.

ACN: Kann man seit den politischen Vereinbarungen von einer Normalisierung der Situation im Land sprechen?

Bischof Cyr-Nestor YAPAUPA: Seit Beginn der Krisen, die uns nunmehr seit 2012 erschüttern, kann ehrlich gesagt von keiner Normalisierung der allgemeinen Situation in unserem Land die Rede sein. Auch wenn gelegentlich und stellenweise momentane Beruhigungen der Situation in der einen oder anderen Region festzustellen sind, so sind sie meist nicht von sehr langer Dauer. Gewalttätigkeiten flammen sehr oft auf und führen zu neuen Krisensituationen. Fast das gesamte Land wird von bewaffneten Gruppen heimgesucht, die die Freiheit der Bürger beeinträchtigen.

Wie und wovon leben die Menschen in Ihrer Diözese? Woher kommen die Lebensmittel, das Wasser, die Milch?

Die Bewohner meiner Diözese leben im Wesentlichen von Agrarerzeugnissen, von Jagd- und Fischereierzeugnissen, die allerdings in letzter Zeit sehr selten geworden sind. Daher kündigt sich eine unmittelbar bevorstehende Ernährungsnotlage an. Die Menschen können ihre Felder nicht mehr in Sicherheit bewirtschaften. Die Kornspeicher und Lebensmittelreserven der Bauern wurden zerstört, geplündert und sogar verbrannt. In Bezug auf das Wasser versorgt sich die Mehrheit dieser Bevölkerung an einfachen Brunnen, andere können auf natürliche Quellen zurückgreifen. Die seltenen modernen Brunnen können nur einen extrem geringen Teil der Bevölkerung mit Wasser versorgen. Dennoch kann ich unter den gegenwärtig herrschenden Krisenbedingungen definitiv behaupten, dass der Zugang zu Trinkwasser sehr erschwert ist, wenn nicht sogar kritisch, weil aufgrund der Unsicherheit der Zugang zu den Wasserstellen sehr riskant geworden ist. Es wäre für die Gesundheit der Bevölkerung oft sehr zuträglich und notwendig, wenn das den Brunnen oder der Natur entnommene Wasser vorher dekontaminiert und trinkbar gemacht würde.

Leisten die internationalen Organisationen dabei Hilfe? Wie sieht es mit den Nichtregierungsorganisationen aus? Mit der Kirche?

Dazu muss ich Ihnen leider mit großem Bedauern antworten, dass die Krise, die wir gegenwärtig erleben, wohl eine recht unbekannte Situation ist, weil sie im Vergleich zu dem, was anderswo passiert (Bangui, Bangassou, Bria, Bambari, usw.) in den Medien weniger thematisiert wird. Da die Medien nicht ausreichend über unsere Krise berichtet haben, wie sollen wir dann ausreichende Hilfe von internationalen Einrichtungen bekommen? Die einzige NGO, die uns zur Seite steht und für uns kämpft, sind die verschiedenen Caritas. Doch ehrlich gesagt kann ich Ihnen versichern, dass die Not extrem ist und unsere Mittel, um allen Opfern effizient zu helfen, sehr beschränkt sind.

Können denn die Schulen normal funktionieren?

Bereits unter normalen Umständen hatten wir wegen der Schulen in unseren Ortschaften schon Sorgen. Wir hatten uns uneingeschränkt für die Ausbildung der jungen Menschen eingesetzt. Doch heute ist es doppelt schmerzhaft festzustellen, dass all unsere Bemühungen durch diese Welle an Gewalt gestoppt werden und dass unsere Kinder gegenwärtig nicht mehr zur Schule gehen können. Alle Schulen haben geschlossen. Wir empfinden unendliche Trauer über unsere Kinder, die auf der Strecke bleiben! Dennoch erwarten wir eine positive Wende, damit wir versuchen können, schnell etwas für sie zu tun. Ich wäre für jede Unterstützung, die wir dafür erhielten, extrem dankbar, um unseren Kindern diese letzte Chance geben zu können, alles wieder aufzuholen.

Wie verstehen sich die Christen und die Muslime in Ihrer Diözese Alindao?

Zuerst kann ich Ihnen sagen, dass meine Diözese eine der Regionen des Landes ist, in der noch ausschließlich Zentralafrikaner aller Religionen leben, inklusive der Muslime. In dieser Diözese lebten die Christen, sowohl die Katholiken als auch die Protestanten, in perfekter Eintracht mit den Muslimen. Der Beweis ist, dass es in fast allen Unterpräfekturen der Region, die meine Diözese abdeckt, sogenannte „religiöse Plattformen“ gibt, deren Aufgabe darin besteht, die interreligiösen Beziehungen zu wahren und den sozialen Frieden zwischen den verschiedenen Gruppen zu stärken.

Die große Überraschung war, dass bei diesem Ereignis einige Muslime einige ihrer christlichen Brüder gequält und getötet haben. Das beeinträchtigte sicherlich das Vertrauensverhältnis, das bisher immer vorherrschte. Doch wir werden alle unser Bestes geben, um diese unerwartete aufgetretene Kluft zu überwinden und den Dialog und die Akzeptanz zu fördern, um damit das Vertrauen wieder herzustellen.

Wie viele Schwestern und Priester kümmern sich um die Flüchtlinge?

In meiner Diözese leben gegenwärtig nur Priester. Die Schwestern haben die Diözese seit den Ereignissen im Jahre 2013 verlassen, ohne bisher zurückzukehren. Es ist für sie unmöglich. Zusammen mit den Priestern und dem kirchlichen Personal, das sind insgesamt zehn Personen, organisieren wir uns, um die laufenden Angelegenheiten der Diözese zu bearbeiten, zu denen heute diese humanitäre Notlage hinzukommt, der wir uns im Sinne unserer evangelischen Verpflichtung stellen müssen.

Was sagen die Menschen? Was sind die Eindrücke der Bevölkerung?

Aus den Ergebnissen einiger von meinen Priestern nach dem Gottesdienst diskret bei den Gläubigen durchgeführten Befragungen geht hervor, dass die Krise in Alindao ziemlich marginalisiert wird. Die Meinungen, die nach unseren Gottesdiensten geäußert wurden, besagen, dass nur die katholische Kirche den tatsächlichen Umfang der Angelegenheiten wahrnimmt und darum kämpft, den Opfern Sicherheit, Schutz medizinische Behandlungen und Lebensmittel zu gewährleisten.

Eine der Aussagen eines christlichen Gläubigen gegenüber dem Priester, der an diesem Tag die Messe feierte, lautete: „Sie haben genug getan! Wenn niemand Sie bei ihren Anstrengungen unterstützt, wissen wir, dass ‚von niemandem das Unmögliche verlangt werden kann‘. Wir beten, dass diese Ereignisse schnell enden, damit wir bald wieder nach Hause zurückkehren können. Überall sonst wird den Menschen geholfen, aber hier interessiert man sich nicht allzu sehr für unsere dramatische Lage. Gott ist unser einziger Schutz; deshalb gehen wir jeden Tag in den Gottesdienst, um Gott anzuflehen, uns zu erhören und aus unserer Lage zu helfen. Zum Glück ist die katholische Kirche für uns da. Der Bischof steht an vorderster Front, um eine Lösung für diese Krise zu finden.“

Und wie geht es den Kindern?

Wie Sie wissen, die Kinder gehen normalerweise Beschäftigungen nach, die ihren Tag gestalten. In normalen Zeiten besteht ihr Tag aus dem Schulbesuch (zumindest bei denjenigen, die zu Schule gehen), aus der Feldarbeit bei den Kindern der Bauern, aus Spielen und Freizeit für alle, wenn sie ihre jeweiligen Aufgaben erledigt haben. Doch unter den heutigen Umständen leben die Kinder unter schwerer Anspannung, weil sie mit dem Problem der Gewalt konfrontiert werden, die ihre Eltern zur Flucht bewegt hat, und durch welche ihr normales tägliches Lebens unterbrochen wurde. Man stellt sich die Frage, wie sich diese Situation mental auf diese Kinder auswirkt, die brutal in dieses behelfsmäßige Lager vertrieben werden, in dem sie ununterbrochen dem Lärm der bewaffneten Auseinandersetzungen ausgesetzt sind, die in unmittelbarer Nähe stattfinden.

Kurzum, die Kinder verstecken sich und weichen nicht von der Seite ihrer verängstigten Eltern, um Schutz zu suchen. Meine Priester und ich besuchen oft viele Vertriebene, um das Leben der Eltern und der Kinder ein wenig aufzuhellen, damit sie wieder Hoffnung schöpfen, doch die Furcht ist noch sehr stark. Anscheinend benötigen die Kinder einen großen Freiraum, um sich zu entfalten, doch sie haben leider nicht die geeigneten Mittel, um das in diesen Zeiten der Krise zu tun. Daraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit, für sie einen Raum zu schaffen, in dem sie sich entspannen und vergnügen können, und insbesondere muss dringend eine geeignete Schule des Friedens geschaffen werden, um aus ihrem Geist ganz schnell die Neigung zu Gewalt, Hass oder Rache auszumerzen. Sie wissen, der Geist der Kinder ist sehr viel schneller darin, sich die Ereignisse naiv zu merken und entsprechend zu handeln, anstatt sie abzuwägen.

Die pastoral Stiftung KIRCHE IN NOT (Aid to the Church in Need) steht mit Bischof Cyr-Nestor Yapaupa in Kontakt und bittet um Unterstützung und Spenden, um der Diözese in dieser akuten Notlage, in der sie sich befindet, zu helfen.

HIER KÖNNEN SIE MEHR ÜBER Aid to the Church in Need ERFAHREN: http://www.churchinneed.org
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ÜBER UNS

Gegründet im Jahr 1947 als katholische Hilfsorganisation für Kriegsflüchtlinge und seit 2011 als päpstliche Stiftung anerkannt, widmet sich ACN dem Dienst an den Christen auf der ganzen Welt und hilft ihnen durch Information, Gebet und Handeln, wo immer sie verfolgt oder unterdrückt werden oder leiden müssen. ACN unterstützt jedes Jahr durchschnittlich 5000 Projekte in knapp 150 Ländern. Diese Hilfe wird dank privater Spenden realisiert, da die Stiftung keine öffentliche Förderung erhält.